Full text: Der Antwerpener Hafen und die Pariser Wirtschaftskonferenz

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aber seitdem haben diese beiden Lânder einen Vorsprung 
gewonnen, 
Frankreichs Lage nach dem Kriege wird eine schwierige 
sein, wie immer der Kaxnpf auch ausfallen môge. Die Worte, 
die Victor Cambon, ein Neffe des franzôsischen Gesandten in 
London, gelegentlich eines Vortrages in der „Société des 
ingénieurs civils" zu Paris aussprach, geben keinem Zweifel 
darüber Raum. 
,,Gesetzt, Deutschland würde zum SchluBe zerschmettert," sagte er f 
,,gesetzt, die Bundesgenossen hâtten es auf Gnade oder Ungnade in ihrer 
Gewalt und schnitten nach Belieben Stücke von seinem Grundgebiet ab, 
so ware Frankreich darum nicht weniger erschopft an Menschen, Arbeits- 
mitteln und Geld an sein Ziel gelangt. Es wird eine voile Million seiner 
besten Handwerker auf den Schlachtfeldern und in den Hospitâlern ge- 
lassen haben. Nun bedurfte Frankreich aber schon vor dem Kriege der 
Aushülfe durch fremde Arbeitskrâfte. Bei Hunderttausenden kamen die 
Belgier, die Deutschen und die Italiener hereingestrômt; dieser Zuflufi 
wird aufhôren, da der Mangel an Arbeitskrâften sich nach dem Kriege 
überall geltend machen wird, und Frankreich wird vor einem Riesenwerk 
der Neueinrichtung stehen. Wird es dieses erfüllen konnen? Die Arbeit 
wird auBerordentlich hohe Lôhne erheischen, ohne den Wert darzustellen, 
den sie vor dem Kriege batte; und wer wird's bezahlen? Die Entkraftigunf 
wird allgemein sein. Die unnormale Verschiebung im Reichtum kommt 
eher den Schmarotzern zugut, besonders den Kriegslieferantcn, die sich 
wohlweise aus dem Wechselspiel der Schlachten halten, zum Schaden der- 
jenigen, die in den Schützengrâben kâmpfen, und die die wahre lebende 
Kraft des Landes vergegenwartigen, Was die Staatsfinanzen angeht, so 
kann niemand sagen, ob die ôffentliche Schuld um 30, 40 oder 50 Milliarden 
anwachsen, d. h., ob die jâhrliche Zinsenlast allein, mit AusschluB der 
Amortisation, sich um 1,5, lira 2 oder um 2,5 Milliarden vermehren wird, 
wozu jâhrlich mindestens eine Milliarde Fr. an Militarpensionen, wie durch 
Ausfall in den Steuern und Einfuhrzollen hinzutritt. 
Ist Frankreich wenigstens imstande, die Erbschaft von Deutschlands 
Handel und Industrie zu übernehmen? Frankreichs Bürokratismus, der 
seinem wirtschaftlichen Aufschwung fortwahrend im Wege stand, und seine 
soziale Gesetzgebung, beherrscht ganz und gar von politischen Leiden- 
schaften, aller Einsicht in bezug auf die Bedürfnisse der wirtschaftlichen 
Entwickelung bar, das Régime der Phrase und der Favoritismus, die die 
franzôsische Organisation von oben bis unten durchfâulen, haben materiell 
und moralisch einen Dauerzustand geschaffen, der kaum gestattet, sich in 
dieser Hinsicht Illusionen hinzugeben," “) 
Um jene Erbschaft zu übernehmen, und wâre es nur Belgien 
gegenüber, das 1 I 12 seines GesamtauBenhandels (15,4 Milliarden) 
vergegenwartigte, müBte Frankreich sich unermeBlich an- 
strengen. Es müBte sowohl seine Produktion wie seinen Ver- 
14 ) Übergenommen aus der Revue internationale des valeurs mobilières.
	        
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