Full text: Dem Reichsverband der deutschen Volkswirte (R. D. V.) zur Feier seines 25jährigen Bestehens zu Berlin im Februar 1927 gewidmet von der Friedrich List-Gesellschaft

ziehungszell“ ist, wird durch die präziseren F ormuhierungen der Preis- 
schrift geklärt. 
Im Kapitel XXV werden die fünf Fälle der Handelsfreiheit aufge- 
führt. Es haben vollen Freihandel die unzivilisierten Völker, die Ko- 
lonialländer und reinen Ackerbaustaaten, ferner hat die nation pre- 
dominante und diejenigen Nationen zweiter Ordnung, die neben der 
Suprematiemacht konkurrenzfähig sind, vollen Freihandel; also in der 
rationalen Lehre ein Entscheid im Sinne der Interpretation Dietzels. 
Verfolgen wir aber diesen Gedankengang weiter, 
Die „Wege zur Handelsfreiheit“ erörtert das 26. Kapitel: Es sind 
prinzipiell zwei Möglichkeiten da: die politische Vereinigung der Völ- 
ker unter einer „Universalmonarchie‘“ oder gerechte Handelsverträge. 
Für letztere tritt List und zwar in der umfassendsten Form eines 
„Congres commercial universel‘“99 ein, der über alle Weltwirtschafts- 
fragen beraten soll. Da sich die Beschlüsse zur Zeit hauptsächlich gegen 
Englands Suprematie richten würden, konstituiert der Welthandels- 
kongreß sich nach Lists Ansicht, die er schon in einem Konsulats- 
berichte an die amerikanische Regierung kundtat, zunächst aus Ver- 
tretern der Nationen der zweiten und dritten Ordnung. 
Wir sehen also hier bis zu organisatorischen Vorschlägen den Weg, 
den List für eine freihändlerische Zukunft der Nationen sieht, welche 
die schutzzöllnerische „Erziehung“ hinter sich haben. Die Belege lie- 
ßen sich häufen. Als in der vorigen Generation der Parteikampf für 
und wider den Schutzzoll zumeist das Interesse an List bestimmte, 
haben namhafte Gelehrte sich mit der Herausarbeitung dieser Ge- 
danken in Lists Werken, die sie unvollständig heranzogen, begnügt; 
da die Gegenpartei stofflich ebenso unvollständig auftrat, blieb. die 
Frage unentschieden. Unser heutiges Interesse ist schlechthin unpar- 
;elisch. List ist uns ein Objekt der historischen Erkenntnis, welche auch 
mit den Mitteln der Philologie objektiv und umfassend zu leisten ist. 
Dann ist zunächst festzustellen, daß die amerikanischen Briefe und 
die Arbeiten des Zollvereinsblattes eine solche Lösung der Zukunft 
nicht enthalten; auf das Zollvereinsblatt kommen wir erst im näch- 
sten Abschnitt zurück. Die Outlines unterscheiden sich wesentlich von 
den beiden anderen großen Systemen durch die Tatsache, daß sie 
keine für alle Völker geltende Theorie darstellen; hierin den Mer- 
kantillehren ähnlich, sind sie nur für Amerika und dessen Entwick- 
lung geschrieben, deshalb streng und eindeutig „national‘. Die Preis- 
schrift und das Nationale System stellen ihrerseits den Anspruch der 
Allgemeingültigkeit und diese gewinnt List, indem er, immer lebend 
in seinem nationalen Empfinden, zum Ausgangspunkt der Nation den 
klassischen rationalen Menschheitshorizont hinzunimmt und aus bei- 
den ein neues Ganzes aufbaut. Mit Hilfe der klassischen Begriffe ge- 
staltet List also seine beiden Hauptwerke, und indem sein Blick auf 
Frankreich und Deutschland ruht, ordnet er die politische Ökonomie 
als die dynamische Stufenlehre, welche die Suprematiemacht wie die 
nachstrebenden Nationen umfaßt; während die Outlines wie erwähnt 
keine Stufentheorie enthalten, ist in den beiden größeren Systemen 
lementsprechend auch die freihändlerische Denkrichtung ein inte- 
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