Full text: Die politische Ökonomie des Rentners

IH Die Werttheorie (Fortsetzung) 
schen Erscheinungen, wie Schätzungen usw., zu tun haben, fin- 
det auch eine Zurechnung des Wertes des Produktes zu den ver- 
schiedenen „Faktoren‘“‘ statt*°. Eine andere Frage ist es freilich, 
ob die Untersuchung dieser Erscheinungen zu einer befriedigen- 
den Problemlösung führen kann. Es genügt hier, den typisch- 
sten Fall zu betrachten, nämlich den, bei welchem das Hinzu- 
treten von Substitutionsschätzungen bestimmend wirkt. Vor 
allem entsteht die Frage: Welcher „Wert des Produkts“ ist 
der Komplementärgruppe zuzurechnen? Was stellt er in den 
Augen des Kapitalisten dar? 
Oben sahen wir, daß selbst Böhm-Bawerk die Schätzungen 
der Waren durch ihre kapitalistischen Warenproduzenten fast 
gleich Null setzt. Für den Kapitalisten gibt es keinen Grenz- 
nutzen der Ware als Norm für seine Schätzung. Andererseits 
ist es widersinnig, von einem ‚sozialen‘ Grenznutzen zu spre- 
chen”. Worüber in diesem Falle der Kapitalist sprechen kann 
(und in Wirklichkeit auch spricht), was er bald dem einen, bald 
dem anderen Teil seines Produktionskapitals zurechnet, das ist 
nichts anderes als der Preis des Produktes. Daraus folgt, daß 
die Einführung des einen oder des anderen Produktionsfaktors 
dieses oder jenes Teils der Komplementärgruppe vor allem vom 
Preis des Produktes abhängt und keineswegs 
von seinem Grenznutzen, wie dies Böhm-Bawerk be- 
hauptet. Ferner können in unserem typischen Fall die Teile der 
Komplementärgruppe ersetzt werden, d. h. sie sind jederzeit auf 
Ertrag allen erzeugenden Faktoren zusammen zu danken sei. Jedermann ver- 
steht und handhabt, wenn auch mehr oder minder vollkommen, die Kunst der 
Ertragsaufteilung. Ein guter Geschäftsmann muß wissen und weiß, was ihm 
ein guter Arbeiter erbringe, wie sich eine Maschine rentiere, wieviel er sich 
auf den Rohstoff zu rechnen habe, welchen Ertrag das, und welchen jenes 
Grundstück liefere. Wüßte er das nicht, vermöchte er nur im ganzen, in 
Bausch und Bogen, Einsatz und Erfolg der Produktion zu vergleichen, so 
hätte er ganz und gar keine Auskunft, falls der Erfolg hinter dem Einsatz 
zurückbleibe‘“ (Wieser: „Der natürliche Wert“, S. 70 u. 71.) 
*9 Mit der Einschränkung, daß dies nur insoweit gilt, als wir die indi- 
viduelle Psychologie des Warenproduzenten ins Auge fassen. Ganz anders 
wird die Frage, sobald wir den gesellschaftlichen Standpunkt ein- 
nehmen. Dann kann die ganze „ökonomische Zurechnung‘“ sich nur auf die 
gesellschaftliche Arbeit beziehen. Diese beiden Gesichtspunkte hält Marx 
scharf auseinander (vgl. z. B. die Profitberechnung auf das Gesamtkapital und 
nicht nur auf seinen variablen Teil). Uns scheint, daß J. H. (Parvus) diesen Um- 
stand in seiner scharfsinnigen Kritik der Zinstheorie Böhm-Bawerks außer acht 
gelassen hat. Siehe seine „Oekonomische Taschenspielerei“, Neue Zeit, Jahrg. X. 
5 ,...allein in der Verkehrswirtschaft gibt es nichts, was einem solchen 
sozialen Grenznutzen entspräche‘“ (J. Schumpeter: „Bemerkungen über das 
Zurechnungsproblem“, Ztschr. für Volkswirtschaft, Sozialpolitik und Verwal- 
tung, Bd. 18 (1909), S. 102. 
4
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.