Full text: Die politische Ökonomie des Rentners

119 Die Werttheorie (Fortsetzung) 
Dieser „kausale Anstoß‘ geht; wie wir sahen, von der Seite 
der Produktivgüter aus. Nun entsteht die Frage, ob es sich hier 
nur um die Men g e der Produktionsmittel handelt — wie Böhm 
annimmt — oder ob zugleich mit deren Vermehrung und durch 
diese auch schon die Verminderung des Werts derselben gegeben 
ist (in diesem Falle wäre der Wert des Produkts -die Zu bestim- 
mende Größe). Es liegt zweifelsohne gar kein Grund vor, die 
Menge der Produktionsmittel dem Wert derselben gegen- 
überzustellen“®. Vor allem fällt es in die Augen, daß das 
Sinken des Wertes, d. h. im Grunde genommen, des Preises 
(darüber unten) der Produktivgüter der Zeit nach früher er- 
folgt als das Sinken des Wertes der Verbrauchsgüter. Jede auf 
dem Markte erscheinende Ware tritt nicht nur in einer gewissen 
Menge auf, sondern stellt auch eine gewisse Wertgröße dar. Das 
im Ueberfluß auf den Markt geworfene Kupfer sinkt im Preise 
lange vorher, ehe die Kupferprodukte im Preise sinken. Freilich 
auch dagegen findet sich bei Böhm-Bawerk ein Einwand, und 
zwar weist er auf den Umstand hin, daß der Wert der Güter 
„höherer Ordnung‘. nicht durch den Wert der Güter „niederer 
Ordnung“‘‘ bestimmt wird, den sie im gegebenen Augenblick be- 
sitzen, sondern vom Werte, den sie bei einer gesteigerten Menge 
der in der Produktionssphäre eingetretenen Produktionsmittel 
haben werden‘. Doch wenn der Abstand zwischen den 
Produktionsmitteln und den Konsumtionsgütern überhaupt so 
groß ist, daß sogar die Vertreter der Grenznutzentheorie selber 
daran zweifeln, ob der Wert der Produktionsmittel von dem 
Werte des Produkts abhängt®°, so ist es ganz offensichtlich, daß 
bei der Veränderung der Menge der auf den Markt geworfenen 
6% Böhm-Bawerk... meint, nicht der Wert, sondern die Häufigkeit des 
Produktionsmittels setze in solchen Fällen (‚indirekt‘) den Wert des Produktes 
herab. Das ist sehr fein gedacht. Aber es ist jedenfalls nicht wahrer als der 
Satz: Nicht der Wert des Produktes, sondern das Bedürfnis nach dem Produkt 
wirkt auf den Wert. der Produktivmittel zurück. Gewiß ist der Gegensatz: 
nicht der Wert, sondern die Häufigkeit, nicht zwingend. Die Häufig- 
keit der ’Produktivgüter wirkt nur dann auf den voraussichtlichen Wert 
des Produktes, und zwar auf dessen voraussichtliche Menge, wenn sie 
zuvor auf den Wert des Produktivmittels gewirkt hat oder doch diese Wir- 
kung vorauszusehen ist. Sie wirkt nicht, wenn diese Wirkung auf den Wert 
des Produktivmittels durch ein Kartell oder durch eine gesteigerte Nachfrage 
in einem anderen Zweige der Verwendung des Produktivmittels ausgeschaltet 
ist.‘“. (Dr. Karl Adler: „Kapitalzins und Preisbewegung‘“, Verl. von Dunker 
& Humblot, München und Leipzig 1913, S. 13. u. 14, Fußnote.) 
% Vgl. Exkurs XIII (Wert und Kosten), S. 258, Fußnote. 
— %® Scharling: ‚„Grenznutzentheorie und Grenzwertlehre‘, ‚„Conrads 
Jahrbücher‘‘, III F., Bd. 27, S. 25: „Die ganze Kette wird zu lang, als daß man 
diese Berechnung durchführen könnte.“ 
in
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.