Full text: Die politische Ökonomie des Rentners

Der Wert der Produktivgüter. Die Produktionskosten 111 
Produktionsmittel eine derartige Abhängigkeit, wie sie Böhm- 
Bawerk behauptet, durchaus nicht festgestellt werden kann. Es 
genügt in diesem Falle, um die Frage zu klären, den Böhmschen 
Behauptungen seine eigenen Thesen gegenüberzustellen, die 
lauten: „Wenn wir uns überlegen, was... ein Produkt von 
höherem, unmittelbarem Grenznutzen für uns wert ist, so müssen 
wir uns sagen: gerade soviel, als die Produktionsmittel für uns 
wert sind, aus denen wir das Produkt in jedem Augenblick wie- 
der herstellen könnten. Forschen wir dann weiter, wieviel die 
Produktionsmittel selbst wert sind, so kommen wir auf den Grenz- 
nutzen. / Aber un zähligerMalerkönnen wir uns 
diese weitere Forschung ersparen. Unzählige 
Male wissen wir den Wert der Kostengüter 
schon,ohneihnvon Fallzu Fallerstaus seinen 
Grundlagen entwickeln zu müssen...“ Dazu fügt 
er in einer Fußnote hinzu: „Namentlich das Ein greifen 
der Arbeitsteilung und des Tauschverkehrs 
trägt viel dazu bei, daß auch der Wert von Zwischen- 
produkten häufig (!) selbständig fixiert wird”.“ 
Leider entwickelt Böhm-Bawerk seinen Gedanken nicht 
weiter, er zeigt uns nicht, warum die Arbeitsteilung und der 
Tausch einen derartig entscheidenden Einfluß auf das Zustande- 
kommen der „Selbständigkeit“ des Wertes der Produktivgüter 
ausüben. In Wirklichkeit kommt die Sache folgendermaßen zu- 
stande: Die moderne Gesellschaft stellt keineswegs ein har- 
monisch entwickeltes Ganzes dar, in dem die Produktion an den 
Konsum planmäßig angepaßt wird; gegenwärtig sind Produktion 
und Konsumtion voneinander losgerissen, sie stellen zwei ent- 
gegengesetzte Pole des Wirtschaftslebens dar. Diese Lostrennung 
der Produktion von der Konsumtion äußert sich unter anderem 
auch in wirtschaftlichen Erschütterungen, wie den Krisen. Die 
Schätzungen, die die Agenten der Produktion selbst für die Pro- 
dukte machen, geschehen keineswegs abhängig vom ‚Grenz- 
nutzen‘, — dies gilt, wie wir oben sahen, sogar für die Kon- 
sumtionsgüter; noch prägnanter äußert sich dies bei der Her- 
stellung von Produktionsmitteln. Die anarchisch aufgebaute Ge- 
sellschaft, in welcher der Zusammenhang der einzelnen Pro- 
duktionsteile keineswegs ein Planmäßiger ist, ein Zusammenhang, 
der in letzter Instanz von gesellschaftlicher Konsumtion geregelt 
wird, führt unvermeidlich zu einer Lage der Dinge, die man im 
gewissen Sinne als „Produktion für die Produktion‘ bezeichnen 
: ° Böhm-Bawerk: „Grundzüge usw.“, S. 70 u. 71, Fußnote. (Sperrdruck vom 
Verfasser.)
	        
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