1 Die Werttheorie (Fortsetzung)
kann. Dieser Umstand wirkt seinerseits auf die Psyche der
Agenten der kapitalistischen Produktionsweise (die Analyse
dieser Psyche gehört ja zur Aufgabe Böhm-Bawerks) in ganz
anderer Weise, als Böhm es voraussetzt. Fangen wir nun mit der
Wertschätzung der Verkäufer der Produktionsmittel an. Sie sind
Kapitalisten, deren Kapital in Produktionszweigen angelegt ist,
die Produktionsmittel herstellen. Wodurch wird die Schätzung
der erzeugten Produktionsmittel seitens des Besitzers der be-
treffenden Unternehmung bestimmt? Er schätzt seine Ware
(„Produktivgüter‘“) keinesfalls nach dem Grenznutzen des Pro-
dukts, das mit Hilfe dieser Ware hergestellt wird; es ist vielmehr
so, daß er seine Ware in Abhängigkeit vom Preise schätzt,
den er für sie auf dem Markte erhalten kann; d. h. in der Böhm-
Terminologie gesprochen, er schätzt sie nach dem subjektiven
Tauschwerte®. Nehmen wir nun an, daß der besagte „Pro-
duzent‘“ eine neue Technik einführt und die Produktion er-
weitert; jetzt ist er in der Lage, eine größere Menge Ware —
Produktionsmittel — auf den Markt zu werfen. Nach welcher
Richtung hin wird sich hierbei die Schätzung der einzelnen
Wareneinheit verändern? Sie wird natürlich sinken. Doch ge-
schieht dieses Sinken in seinen Augen nicht etwa deshalb, weil
die Preise der aus seiner Ware hergestellten Produkte sinken,
sondern vielmehr deshalb, weil er selbst bestrebt ist, die Preise
sinken zu lassen, um durch niedrigere Preise die Käufer seinen
Konkurrenten abzugewinnen und dadurch höheren Profit zu er-
zielen.
Wenden wir uns nun der anderen Partei, den Käufern, zu.
In unserem Falle sind die Käufer die Kapitalisten desjenigen Pro-
duktionszweiges, der Konsumtionsmittel mit Hilfe von Produk-
tionsmitteln herstellt, die bei den Kapitalisten der ersten Kate-
gorie (Produktion von Produktionsmitteln) gekauft werden. Ihre
Wertschätzung wird natürlich mit dem angebotenen Preise des
Produkts rechnen ; doch dieser vorausgesetzte Preis des Pro-
dukts kann höchstens nur als obere Grenze dienen; in der Wirk-
lichkeit aber ist die Schätzung der Produktionsmittel immer
niedriger; und diejenige Größe, um die sich die Schätzung der
Produktionsmittel von seiten der Käufer verringert, ist in dem
gegebenen Beispiel nichts anderes als ein gewisses Korrektiv des
früheren Preises, das durch die größere Menge der auf den Markt
geworfenen Produktionsmittel hervorgerufen ist.
68 Siehe Böhm-Bawerk: „Grundzüge usw.“, S. 538: „Die Höhe des Markt-
preises, den jeder Produzent für sein Produkt erlangen kann, ist maßgebend für
die Höhe des subjektiven (Tausch-) Wertes, den er auf dasselbe legt. . R
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