Full text: Die politische Ökonomie des Rentners

Der Kapitalbegriff. „Kapital“ und „Profit“ im „sozialistischen“ Staat 127 
kapitals ab. Sozialkapital nennen wir einen Inbegriff von 
Produkten, die als Mittel sozialwirtschaftlichen Güter- 
erwerbs dienen; oder ... da sozialwirtschaftlicher Güterverbrauch 
nicht anders als durch Produktion stattfindet... oder, kurz ge- 
sagt, einen Inbegriff von Zwischenprodukten‘“.“ 
Die angeführten Definitionen genügen, um die „Grundlagen“ 
der Böhm-Bawerkschen Profittheorie kennenzulernen; sie ver- 
hüllt den geschichtlichen Charakter der modernen Produktions- 
weise und — was in diesem Falle noch wichtiger ist — sie ver- 
schleiert ihr Wesen als einer kapitalistischen Produktion im 
wahren Sinne des Wortes, d. h., einer Produktion, die auf 
Lohnarbeit beruht, auf Monopolisierung der Produktions- 
mittel durch eine bestimmte gesellschaftliche Klasse; es ver- 
schwindet dabei völlig der charakteristische Zug der modernen 
Gesellschaft — die Klassenstruktur derselben, die von inneren 
Widersprüchen, von einem erbitterten Klassenkampf zerrissen 
wird. Welches sind die logischen Grundlagen für eine derartige 
Konstruktion? Böhm-Bawerk stellt folgende Erwägungen an: 
Auf allen Stufen der sozialen Entwicklung gibt es „Produktions- 
wege‘; im Zusammenhang damit befinden sich manche Erschei- 
nungen auf dem Gebiete der endgültigen Ergebnisse der 
Produktion. Diese Erscheinungen können in Abhängigkeit von 
den konkreten geschichtlichen Bedingungen (z. B. Privateigen- 
tum) verschiedene Formen annehmen. 
Doch muß hier „das Wesen‘ von der „Erscheinungsform“‘ 
unterschieden werden. Eben deshalb ist es für eine gründliche 
wissenschaftliche Forschung erforderlich, die Analyse des „Kapi- 
tals‘‘, des „Profits‘, der „kapitalistischen Produktionsweise‘“ usw. 
nicht in ihrer jetzigen Formulierung, sondern in abstrakto zu 
vollziehen. Soweit im allgemeinen der Böhmsche Standpunkt*?. 
Dies ist übrigens alles, was zugunsten des Böhm-Bawerkschen 
Standpunktes und ähnlichen Versuchen, das Kapital und den 
Profit als „ewige“ Wirtschaftskategorien zu betrachten, zu sagen 
** Ib. S. 54. Das Kapital heißt bei Böhm-Bawerk auch „Erwerbskapital“ oder 
„Privatkapital‘‘; das Sozialkapital dagegen kann man auch gut und bündig 
„Produktivkapital‘“ nennen (Ib. S. 55). Und so ergibt sich, daß der Begriff des 
Sozialkapitals enger als der des Individualkapitals ist. (Erwerbskapital — Privat- 
kapital); dazu kommt hinzu, daß der Begriff „Gütererwerb“ in den beiden 
Fällen etwas verschiedenes bedeutet. Darüber siehe Stolzmann: „Der Zweck 
usw.‘, S. 335. Wir heben diese Konfusion hervor, wenn dies auch ohne wesent- 
liche Bedeutung für den Text ist. 
1? Siehe z. B. „Positive Theorie“, S. 587, Anmerkung, wo Böhm-Bawerk 
Stolzmann vorhält, daß er das Wesen von der Erscheinungsform und den 
„Profit als solchen“ vom jetzigen Profit nicht unterscheidet.
	        
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