1 Die Profittheorie
wird der Wert von Ya in der Zukunft, die von der Gegen-
wart um die ganze Zeitdauer des Produktionsprozesses getrennt
ist, geringer als A sein; diesem „Zukunftswerte‘“ des
Produkts ist eben der gegenwärtige Wert der Arbeit gleich.
Kauft man deshalb die Arbeit jetzt, wobei ihr Wert in
„Jetzigen Gulden‘ ausgedrückt wird, so bezahlt man dafür
eine geringere Summe von Gulden, als der Unternehmer selbst
beim Verkauf des Produkts, d. h. nach dem Abschluß des Pro-
duktionsprozesses, erhalten wird. „Dies und nichts anderes ist
der Grund des ‚billigen‘ Einkaufs von Produktionsmitteln und
insbesondere von Arbeit, den die Sozialisten mit Recht für
die Quelle des Kapitalgewinnes, aber mit Unrecht für die Frucht
einer Ausbeutung der Arbeiter durch die Besitzenden erklären”.
Also: Der Umtausch der gegenwärtigen Güter gegen zu-
künftige Güter ist es, der zur Entstehung des Profits führt‘*.“
VUebrigens ergibt sich aus dem Tauschakt selbst noch kein Pro-
fit, denn der Unternehmer kaufte die Arbeit nach ihrem vollen
gegenwärtigen Wert, d. h., dem Werte des Zukunftsproduktes.
„Seine Zukunftsware reift nämlich während des Fortschreitens
der Produktion allmählich zur Gegenwartsware aus und wächst
damit in den Vollwert der Gegenwartsware hinein®.‘“ Eben die-
ser Wertzuwachs, der sich beim Prozeß der Verwandlung der
zukünftigen Güter in gegenwärtige, der Produktionsmittel in Ge-
brauchsgüter ergibt, ist nun der Profit des Kapitals. Der Haupt-
grund für den Profit wurzelt demnach in der verschiedenen
Wertschätzung der gegenwärtigen und zukünftigen Güter, was
wiederum die Folge der „elementaren Tatsachen der mensch-
lichen Natur und der Produktionstechnik““ ist und nicht etwa der
sozialen Beziehungen, die der modernen gesellschaftlichen Struk-
tur eigen sind.
So weit die Böhm-Bawerksche Profittheorie in ihren Grund-
zügen. Ihr wesentlichster Teil ist die Begründung der Theorie
der zukünftigen Werte im Vergleich zu den gegenwärtigen, dieser
Teil ist von Böhm-Bawerk eingehend bearbeitet worden und
seine Darstellung und Analyse beschäftigt uns weiter unten. Hier
vor allem einige einleitende Bemerkungen allgemeiner Art.
Wir sahen bereits, daß zu den Sätzen, die zu den ‚„Grund-
pfeilern der gesamten Lehre vom Kapitale‘“ gehören, auch der
30 Jb. S. 504.
31 Das veranlaßte Macfarland, die Böhmsche Profittheorie als Tausch-
theorie zu bezeichnen („Exchange Theory“). Böhm-Bawerk selbst hält es für
richtiger, sie als „Agio-Theorie“ zu bezeichnen. Siehe Böhm-Bawerk: „Kapital
und Kapitalzins‘“.
32 Böhm-Bawerk: „Positive Theorie“, S. 505.
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