Tr Die Profittheorie (Fortsetzung)
Somit gilt es hier nach Böhm-Bawerk als erwiesen, daß die
gegenwärtigen Produktivgüter nicht nur technisch,
sondern auch wirtschaftlich diezukünftigen Produktivgüter
überragen. Zu den eigentlich gegenwärtigen
Gütern, d. h. den gegenwärtigen Verbrauchsgütern geht
Böhm-Bawerk durch folgende Erwägung über: der Besitz eines
gewissen Vorrats von gegenwärtigen Verbrauchsgütern gestattet
Produktionsmittel in den am meisten produktiven Prozessen zu
verbrauchen; besitzt man nur wenig Existenzmittel, so kann man
nicht lange auf die Herstellung des Produkts warten. Mit einer
gewissen Menge Existenzmittel ist auch eine gewisse Produktionsdauer
verknüpft. Dabei verhält es sich so, daß je eher wir
die Produktionsmittel haben, desto besser wir sie ausnutzen können.
Wenn wir einen Vorrat von gegenwärtigen Konsumtionsgütern
für 10 Jahre haben, so kann das gegenwärtige Produktivgut
während all dieser 10 Jahre verbraucht werden; dagegen
wird jedes‘ künftige Gut im Produktionsprozeß eine geringere
Zeit verweilen: Erhalten wir das Produktionsmittel erst nach
3 Jahren, so wird das Maximum des Produktionsprozesses 10
weniger 3, d. h. 7 Jahre. alt sein usw.”. „Der Zusammenhang
— sagt Böhm-Bawerk — ist der folgende: Die Verfügung über
eine Summe gegenwärtiger Genußmittel deckt unsere Subsistenz
in der laufenden Wirtschaftsperiode, macht dadurch unsere in
eben dieser Periode verfügbaren Produktionsmittel (Arbeit, Bodenbenutzung,
Kapitalgehälter) für den technisch ergiebigeren
Dienst der Zukunft frei”.‘“ Mit anderen Worten: Da die gegenwärtigen
Produktivgüter einen höheren Wert als die zukünftigen
haben, und da ferner das Vorhandensein der gegenwärtigen Konsumtionsgüter
dieses Moment begünstigen, so erhalten die letzteren
ein gewisses Agio. Der erhöhte Wert der gegenwärtigen Pro-Bruchteile
in Anrechnung gebracht werden. Für Kostenberechnung kommt
nur ein entsprechender Teil der Produktionsmittel in Betracht, für die Bestimmung
der Produktionsdauer muß dagegen jedes Produktionsmittel als
Ganzes in Anrechnung kommen“ (l. c. S. 201). Und so fehlt dem Begriff
der Produktionsperiode, auf der die Böhmschen Berechnungen fußen, überhaupt
jeder Sinn. VUebrigens hält Böhm-Bawerk selbst diese Definition nicht
überall aufrecht.
2 Eine ähnliche Deutung dieses Punktes gibt auch Schaposchnikow, 1. c.
S. 120. Eigentlich ist der Zusammenhang zwischen der Dauer des Produktionsprozesses
und der Vorratsmenge bei Böhm-Bawerk komplizierter (vgl.
„Positive Theorie‘, S. 532—536); doch ist es für uns in diesem Falle belanglos.
2 Böhm-Bawerk: „Positive Theorie‘, S. 469.
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