Full text : Die politische Ökonomie des Rentners

Der Subsistenzfonds 171
pitalist hat diesen Wert in seiner Hand, bevor er ihn zahlt...
Sie (die Arbeitskraft. N. B.) hat bereits in Warenform das dem
Arbeiter zu zahlende Aequivalent geliefert, bevor der Kapitalist
es dem Arbeiter in Geldform zahlt. Der Arbeiter schafft also
selbst den Zahlungsfonds, aus dem ihn der Kapitalist zahlt*.‘
Freilich gibt es auch Fälle, in denen im voraus gezahlt wird;
doch erstens ist diese Erscheinung für das moderne Wirtschaftsleben
 ganz und gar nicht typisch, und zweitens spricht sie
nicht gegen unsere Behauptung. Denn wenn sich Profit auch in
den Fällen ergibt, in denen der Arbeitslohn nach dem Arbeitsprozeß
 ausgezahlt wird, so ist es klar, daß es irgendeine andere
Erscheinung sein muß, die ihn entstehen läßt, nicht aber die
Differenz zwischen den gegenwärtigen und den zukünftigen
Gütern.
Als eine solche Erscheinung ist die soziale Macht des Kapitals
anzusehen, die darauf beruht, daß die Kapitalisten als Klasse
die Produktionsmittel monopolisiert haben, wodurch der Arbeiter
gezwungen ist, einen Teil seines Produktes abzugeben. Die soziale
Ungleichheit, das Vorhandensein von antagonistischen sozialen
Gebilden — dies ist die Grundtatsache des modernen Wirtschaftslebens;
 gerade diese Beziehungen zwischen den Klassen auf dem
Gebiete der Wirtschaft, d. h. die Produktionsverhältnisse, bilden
die für die kapitalistische Gesellschaft charakteristische „ökonomische
 Struktur“; jede Theorie, die die Analyse derselben außer
acht läßt, ist von vornherein zur Impotenz verurteilt. Doch das
Bestreben, den Antagonismus der Klassen zu verschleiern, ist so
groß, daß die moderne bürgerliche Wissenschaft es vorzieht, tausend
 nichtssagende „Erklärungen“ auszubrüten, ein leeres Argument
 auf das andere zu häufen, ganze „Systeme‘‘ zu schaffen,
längst vergessene „Theorien“ auferstehen zu lassen und ganze
Berge von Bänden zu schreiben, — alles zum alleinigen Zwecke,
uns zu beweisen, daß „im Wesen des Zinses liegt... nichts, was
ihn an sich unbillig oder ungerecht erscheinen ließe.“
42 Karl Marx: Kapital‘; :Bd.: J1, S.: 355.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.