174 Schluß
der gesellschaftlichen Arbeit’. In der Warenwirtschaft muß
diese Grundtatsache ihren Ausdruck auf der Oberfläche der Er-
scheinungen finden, d. h. auf dem Warenmarkt. Es ist eine
empirische Tatsache, die die Basis der Arbeitswerttheorie bildet,
daß mit dem Wachstum der Arbeitsproduktivität auch die Preise
sinken. Andererseits rufen gerade die Preisschwankungen in der
gesellschaftlichen Warenwirtschaft die Neuverteilung der
Produktivkräfte hervor. Und so hängen die Erscheinun-
gen des Marktes mit denen der Reproduktion zusammen, d. h.-
der Dynamik des ganzen kapitalistischen Mechanismus in seinem
gesellschaftlichen Maßstab.
Ist ein Zusammenhang zwischen der Grunderscheinung, näm--
lich der Entwicklung der Produktivkräfte, und den sich objektiv
bildenden Preisen gegeben, so entsteht die Frage über das Cha -
rakteristikum dieses Zusammenhanges. Bei näherer An- ‘
alyse erweist es sich, daß dieser Zusammenhang sehr verwickelter-
Natur ist. Der dritte Band des Marxschen Kapitals beschäftigt
sich eben mit der Frage über die Art dieses Zusammenhangs. _/
Und so tritt das Wertgesetz hier als ein objektives Gesetz auf,
das den Zusammenhang zwischen verschiedenen Reihen der ge-
sellschaftlichen Erscheinungen ausdrückt. Es gibt deshalb nichts
Widersinnigeres, als wenn man die Marxsche Theorie zu einer
„ethischen“ stempelt. Die Marxsche Theorie kennt keine andere
Gesetzmäßigkeit als die kausale und kann auch keine andere
kennen. Die Werttheorie enthüllt diese kausalen Beziehungen,
die nicht nur die Gesetzmäßigkeiten des Marktes ausdrücken,
sondern des ganzen sich bewegenden Systems in seiner Totalität.
Ebenso steht es auch mit der Frage der Verteilung. Der Ver-
teilungsprozeß verläuft in Wertformulierungen. Das „soziale“
Verhältnis zwischen dem Kapitalisten und dem Arbeiter äußert
sich in einer „ökonomischen“ Formel, denn die Arbeitskraft wird
zur Ware; nachdem sie aber einmal zur Ware geworden und in
den Kreislauf der Warenzirkulation geraten ist, fällt sie schon
? Ein alter und fast ganz unbekannter Oekonomist, N. F. Canard, formu-
lierte diesen marxistischen Gedanken treffend, nicht schlechter jedenfalls als
der viel gepriesene Rodbertus; siehe sein: „Principes d’&conomie politique“‘,
Paris, de X (1801). In diesem von der Akademie preisgekrönten Werk schreibt
Canard:
„Ainsi ce n’est qu’a son activite et a son travail qu’il doit cette grande
difference qui separe l’homme civilise de l’homme naturel ou du sauvage‘“
(S. 3). „Il faut donc distinguer dans l’homme le travail n6cessaire A sa con-
servation, et le travail superflu“ (S. 4). „Ce n’est qu’en amassant une quan-
tite de travail superflu, que l’homme a pu sortir de l’etat sauvage, et se creer
successivement tous les arts, toutes les machines et tous les moyens de mul-
tiplier le produit du travail en le simplifiant“ (S. 5).
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