Theoret. Versöhnungspolitik (Die Werttheorie von Tugan-Baranowsky) 187
käufer einer Ware, sie für sich selbst benötige und sogar bereit sei,
bei einem zu niedrigen Preise, sie für sich selbst zu behalten*®.“
Dies stimmt. Darin sehen wir einen weiteren Schritt gegenüber
den Theoretikern des Grenznutzens reinen Wassers. Nur... wie
wird sich dann die eigene Theorie von Herrn Tugan-Bara-
nowsky bewähren, wenn seine produzierenden Wirtschaften die
Ware nicht nach deren Nutzen (d.h. nach dem Grenznutzen)
schätzen würden? Damit ja die besagte Proportionalität Platz
greifen könnte, ist es doch notwendig, daß die entsprechenden
Größen vorhanden sind. Oben sahen wir, daß die Sache mit dem
Arbeitswert nicht klappt. Nun erklärt uns Tugan-Baranowsky
selbst, daß eine Wertung nach dem Grenznutzen unter den Be-
dingungen des Kapitalismus (oder selbst einer einfachen Waren-
wirtschaft) für die Verkäufer vollständig sinnlos ist.
Wir untersuchten die Theorie von Tugan-Baranowsky, ohne
auf einen ihrer Bestandteile — die Grenznutzentheorie — einzu-
gehen. Indessen ist auch dieser Teil von unserem Theoretiker
keinesfalls gerechtfertigt worden. Dies ist eine sehr bemerkens-
werte Tatsache. Auf der Suche nach neuen Mitteln sind die russi-
schen Bourgeois sehr „kritisch“ nur gegenüber Marx gestimmt;
dagegen sind sie in bezug auf die kapitalistische wissenschaftliche
Ideologie des Westens fast von einer religiösen Andacht. Dieser
Umstand zeigt von neuem die wahre Natur der „neuen Ideen in
der politischen Oekonomie“, die die Herren Tugan-Baranowsky,
Bulgakow, Struve e tutti quanti so eifrig predigen.
1 Böhm-Bawerk: „Grundzüge usw.“, S. 212 u. 213.