34 Die methodologischen Grundlagen d. Grenznutzentheorie u. d. Marxismus
1. DER OBJEKTIVISMUS UND DER SUBJEKTIVISMUS IN DER
POLITISCHEN OEKONOMIE
"Werner Sombart bezeichnet in seinem bekannten. Aufsatz, den
er anläßlich des Erscheinens des III. Bandes des „Kapital‘ von
Marx veröffentlichte, bei seiner Gegenüberstellung der zwei Methoden
der Nationalökonomie, der subjektivistischen und der
objektivistischen, das System von Marx als den Ausfluß eines
„extremen Objektivismus‘; dagegen sei die österreichische Schule
seiner Ansicht nach „die konsequenteste Fortbildung der entgegengesetzten
Richtung“®. Diese Charakteristik ist unseres Erachtens
völlig zutreffend. In der Tat kann man an das Studium
der gesellschaftlichen Erscheinungen überhaupt und der wirtschaftlichen
im besonderen in zweierlei Weise herantreten: einmal
kann man annehmen, daß die Wissenschaft von der Analyse
der‘ Gesellschaft als eines Ganzen ausgeht, das in jedem gegebenen
Moment die Erscheinung des individuellen Wirtschaftslebens
bestimmt — in diesem Falle ist. die Aufgabe der Wissenschaft,
die Zusammenhänge und die Gesetzmäßigkeit aufzudecken, die
zwischen den verschiedenen Erscheinungen gesellschaftlicher
Art bestehen und die die individuellen Erscheinungen
bestimmen; zweitens kann man aber annehmen, daß die
Wissenschaft von der Analyse der Gesetzmäßigkeit des individuellen
Lebens auszugehen habe, da die gesellschaftlichen Erscheinungen
ein gewisses Ergebnis von individuellen Erscheinungen
bilden — in diesem Falle würde es die Aufgabe der Wissenschaft
sein; von den Erscheinungen und der Gesetzmäßigkeit des individuellen
Wirtschaftslebens die Erscheinungen und die Gesetzmäßigkeit
der sozialen Wirtschaft abzuleiten. |
In diesem Sinne ist Marx zweifelsohne ein „extremer Objektivist‘“,
und zwar sowohl in der Soziologie als auch in der politischen.
Oekonomie. Deshalb muß auch seine grundlegende Wirt-“3
W. Sombart: „Zur Kritik des ökonomischen Systems von Karl Marx“,
Brauns „Archiv. für soziale Gesetzgebung und Statistik“, Bd. VII, 'S. 591—592.
Vergl. auch R. Liefmann 1. c. S. 5 „Das künftige methodologische Hauptproblem
scheint mir; der Gegensatz von individualistischer und sozialer Betrachtungsweise
oder vom privaten und volkswirtschaftlichen Gesichtspunkt
zu-sein‘“.” Wir empfehlen dem Leser die Arbeit von Liefmann als diejenige,
die am konsequentesten und klarsten die individualistische Methode durchführt.