Full text : Die politische Ökonomie des Rentners

44 Die methodologischen Grundlagen d. Grenznutzentheorie u. d. Marxismus
vermeidlich einschmuggeln muß ‚ sobald sie nur irgendwelche
sozialen Erscheinungen abzuleiten versucht. In diesem
Fallemuß sieaberunvermeidlichin einen ungeheurencirculus
 vitiosus geraten.
Und in der Tat zeigt sich dieser unvermeidliche logische Fehler
 bereits bei der Analyse der subjektiven Werttheorie der österreichischen
 Schule, jenes Ecksteins des gesamten theoretischen
Gebäudes, auf das ihre Vertreter so stolz sind. Indessen vernichtet
 schon allein dieser Fehler den Sinn der mit so viel Pfiffigkeit
 aufgebauten wissenschaftlich-ökonomischen Ideologie des
modernen Bourgeois, „denn — wie Böhm-Bawerk selbst richtig
bemerkt — es ist eine methodische Todsünde, wenn man in einer
wissenschaftlichen Untersuchung dasjenige ignoriert, was man erklären
 soll **‘.
Und so kommen wir zum Schluß, daß der „Subjektivismus‘“
der österreichischen Schule, die absichtliche Isolierung des „Wirtschaftssubjektes‘“,
 die Abstrahierung von den sozialen Zusammenhängen‘
 unvermeidlich zum logischen Bankrott des gesamten
Systems führen muß; dieses System ist genau so wenig befriedigend
 wie die alte Theorie der Produktionskosten, die sich hilflos
 in einem verzauberten Kreise drehte.
Es entsteht freilich die Frage, ob es überhaupt möglich ist,
das Wirtschaftsleben theoretisch zu erfassen, dessen Gesetzmäßigkeiten
 festzustellen, ohne daß Gesetzmäßigkeiten der individuellen
Motive bestimmt werden; mit anderen Worten, ist der „Objektivismus‘‘,
 der die Grundlage der Marxschen Theorie bildet, möglich?

Diese Frage wird sogar von Böhm-Bawerk bejaht: „...zwar
nicht gesetzmäßige Handlungen ohne gesetzmäßige Motivation,
wohl aber Kenntnis von gesetzmäßigen Handlungen ohne Kennt-2
 Böhm-Bawerk: „Zum Abschluß des Marxschen Systems.‘ In Festgaben
für Karl Knies. Berlin 1896, S. 172.
— Ins Russische übersetzt von Georgiewski unter dem Titel: „Die Theorie
Karl Marx’ und ihre Kritik“, St. Petersburg 1897.
30 Daß es sich nur um eine Abstraktion handelt, erkennen freilich auch
die Österreicher an: „Der Mensch wirtschaftet nicht als isoliertes Wesen; ‚eine
Einzelwirtschaft im strikten Sinne des Wortes ist eine Abstraktion.“ (Emil
Sax: „Das Wesen und die Aufgabe der Nationalökonomie‘, Wien 1884, S. 12.)
Doch ist nicht jede Abstraktion zulässig: Böhm-Bawerk bemerkt selber dazu:
daß „in der Wissenschaft auch die Gedanken und die ‚Logik’ sich nicht ganz
ungebunden von den Tatsachen entfernen dürfen... daß man jeweils nur
von jenen Besonderheiten abstrahieren darf, welche für die der Erforschung
zu unterziehende Erscheinung irrelevant sind, notabene wirklich, tatsächlich
 irrelevant sind“. Böhm-Bawerk, Zum Abschluß des Marxschen
Systems. S. 194.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.