Full text: Die politische Ökonomie des Rentners

Nutzen und Wert (subjektiver) 73 
parallel dem geschilderten Entwicklungsprozeß verlaufen muß- 
ten? 
Man kann diese Frage kurz beantworten: die Bedeutung der 
subjektiven Schätzungen, dıe auf dem Nutzen fußen, vermindert 
sich: „Man stellt (um in heutiger Terminologie zu sprechen) noch 
keine Tauschwerte her (die rein quantitativ bestimmt sind), son- 
dern ausschließlich Gebrauchsgüter, also qualitativ unterschied- 
liche Dinge‘“*®*, Für die höheren Entwicklungsstufen kann dage- 
gen die Regel gelten: „Der gute Hausvater soll mehr bedacht sein 
auf den Profit und die lange Dauer der Sachen, als auf eine 
momentane Befriedigung und gegenwärtigen Nutzen*?.‘““ 
Und in der Tat setzt die Naturalwirtschaft voraus, daß die 
von ihr produzierten Güter Gebrauchswert für diese Wirt- 
schaft haben; auf der folgenden Entwicklungsstufe verliert der 
Ueberschuß die Bedeutung als Gebrauchswert; ferner wird 
schon der größere Teil der hergestellten Produkte von dem 
Wirtschaftssubjekt nicht dem Nutzen nach gewertet, da dieser 
für ihn nicht vorhanden ist; endlich stellt auf der letzten Ent- 
wicklungsstufe das gesamte innerhalb der Einzelwirt- 
schaft hergestellte Produkt für sie selbst gar keinen „Nutzen“ 
dar. Und so ist es gerade das vollständige Fehlen 
von auf Nutzen ‘beruhenden Wertungen der 
Güter; das für dieissierherstellenden  Wirt- 
schaften charakteristisch ist*.- Doch darf man nicht 
annehmen, daß sich der Tatbestand nur für den Verkäufer so 
stellt. Es steht auch nicht anders um-den Käufer. Das tritt 
besonders klar zutage bei der Analyse der Wertungen seitens der 
Händler. Kein einziger Händler, vom Grossisten bis zum Hausie- 
rer, denkt auch nur im geringsten an den „Nutzen“ oder „Ge- 
brauchswert“ seiner Ware. In seiner Psyche ist der Inhalt, 
1» W. Sombart: „Der Bourgeois", S. 19. 
19 Ib. S. 150. Sperrdruck vom Verfasser 
9 Dies mußte notgedrungen auch Böhm-Bawerk einsehen: in den „Grund- 
zügen‘“ formuliert er die betreffende Frage ziemlich eigenartig, indem er be- 
hauptet, daß bei der Arbeitsteilung die Wertschätzung der Verkäufer „ge- 
wöhnlich außerordentlich niedrig steht.“ (S.. 521, Sperr- 
druck vom Verfasser.) Vgl. auch „Positive Theorie“: „Heutzutage finden ... 
die meisten Verkäufe durch berufsmäßige Produzenten und Händler statt, die 
von ihrer Ware einen für ihre persönlichen Bedürfnisse ganz unverwendbaren 
Ueberfluß besitzen. Infolgedessen steht für sie der subjektive Gebrauchswert 
ihrer eigenen Ware meistens ganz nahe an Null: dadurch sinkt weiter ihre 
‚Schätzungsziffer‘ ... gleichfalls nahezu auf Null.“ („Kapital und Kapitalzins“, 
Bd. II, 1. Teil, S. 405 u. 406). Doch ist auch diese Formulierung falsch, denn die 
Schätzung der Verkäufer beruht durchaus nicht auf Nützlichkeit (sie ist 
nicht „nahezu‘, sondern gleich Null).
	        
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