Full text : Die politische Ökonomie des Rentners

7 Die Werttheorie
Produktion und des Austausches, weder der Verkäufer noch der
Käufer, den Wert des „Vorrates‘“, d. h. die Gesamtheit der
Güter nach der Böhm-Bawerkschen Methode. Der theoretische
Spiegel des Hauptes der neuen Schule verzerrt hier nicht nur
die „Praxis des. Lebens‘: sein Spiegelbild zeigt überhaupt keine
entsprechenden Tatsachen. Für jeden Verkäufer von
n Einheiten erscheint die Summe dieser Einheiten n-mal mehr
als eine Einheit. Das gleiche läßt sich auch in bezug auf den
Käufer sagen. „Für einen Fabrikanten hat die 50. Spinnmaschine
 in seiner Fabrik ganz dieselbe Bedeutung und denselben
 Wert als die erste, und der gesamte Wert aller 50 ist
nicht 50+49-+48-+ ... 2+1==1275; sondern ganz einfach
50X50 = 2500°°.‘“ Indes dieser Widerspruch zwischen der
„Theorie‘‘ Böhm-Bawerks und der „Praxis‘‘ ist so auffallend,
daß Böhm-Bawerk selbst diese Frage nicht umgehen konnte.
Er schreibt darüber: „In unserem gewöhnlichen praktischen
Wirtschaftsleben haben wir nicht häufig Gelegenheit, die geschilderte
 kasuistische Besonderheit (d. h. das Fehlen der Proportionalität
 zwischen dem Werte der Summe und dem der
Einheit [N. B.]) wahrzunehmen. Das kommt davon, daß unter
der Herrschaft der arbeitsteiligen Produktion die geschäftlichen
Verkäufe zumeist (!) aus einem Ueberflusse (!!) erfolgen, der zur
Befriedigung der persönlichen Bedürfnisse des Eigentümers gar
nicht bestimmt ist...“ Schön, aber die Frage besteht eben
in folgendem: wenn diese „kasuistische Besonderheit‘ im heutigen
 Wirtschaftsleben nicht festgestellt werden kann, so ist es
klar, daß die „Grenznutzentheorie‘‘ alles andere, nur kein
Gesetz der kapitalistischen Wirklichkeit ist, weil eben diese
„Besonderheit‘ eine logische Folge der Grenz-Nutzen-Theorie
ist, der sie logisch entspringt, mit der sie fällt.
So sehen wir, daß das Fehlen einer Proportionalität zwischen
dem Wert der Summe und der Anzahl der addierten Einheiten
für die heutigen wirtschaftlichen Verhältnisse eine Fiktion
ist; dabei widerspricht sie so der Wirklichkeit, daß Böhm-Bawerk
selbst außerstande ist, seinen eigenen Standpunkt folgerichtig
weiter zu führen. Beim Hinweis auf die Fülle der indirekten
Wertungen führt er‘ aus; „Wenn wir aber befähigt sind zu
urteilen, daß uns ein Apfel gerade so lieb ist als a ch t Pflaumen,
38 Siehe Wilh. Scharling: „Grenznutzentheorie und Grenznutzenlehre‘‘, Conrads
 Jahrbücher, 3. Folge, 27. Band (1904), S. 27. Wir sprechen hier nicht
von den „Rabatten‘“, die auf große Einkäufe gegeben werden; diese beruhen
auf ganz anderen psychologischen Voraussetzungen und gehören nicht hierher.
53 Böhm-Bawerk: „Grundzüge usw.“, S. 35.

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