Geographische Verhältnisse.
Landbesitzer und ganz auf den Geldlohn ihrer Arbeit angewiesen
sind; Es droht vielmehr eine andere : Gefahr,
nämlich die des Verlustes der Leistungsfähigkeit durch die
Einwirkung des ungewohnten Klimas, das zweifellos von
jeher ‚einen lähmenden Einfluß auf die Eingeborenen ausgeübt
hat, wovon eine Beobachtung unzweifelhaft Zeugnis
ablegt. Während die spanisch- portugiesischen Eroberer in
der neuen Welt die sämtlichen Eingeborenen fast durchweg
auf einer sehr niedrigen Kulturstufe vorfanden, stießen sie
an zwei Stellen auf eine für damalige Verhältnisse hochentwickelte
Kultur, nämlich in Mexiko bei den Azteken und
in Peru bei den Inka. Beide Stämme bewohnten aber nicht
das tropische Tiefland, sondern große Hochländer, deren
Fruchtbarkeit hinter derjenigen des Tieflandes zurückblieb
und eine nachdrückliche Bodenpflege verlangte, aber gleichzeitig
mit einem günstigeren kühleren Klima ausgestattet, in
den Bewohnern die für ihre mühsamere Arbeit notwendige
Energie und Ausdauer wachrief. Aus diesen. beiden Eigenschaften
entstand wohl die hohe Kultur dieser Länder, die
ihren Anfang nahm, als die Bewohner begannen, die Entwickelung
der Leistungsfähigkeit des Bodens über das Maß
der lediglich zur Fristung‘ des Daseins bestimmten Bedürfnisbefriedigung
auszudehnen, also ihre Bedürfnisse nicht mehr
einfach dem anpaßten, was die Natur ohne weiteres ihnen
bot, sondern in bewußter Weise die Ausbeutung und Steigerung
der natürlichen Erzeugnisse zum Zweck der Befriedigung
weitergehender Bedürfnisse unternahmen. War diese unterste
Grenze einmal überschritten, so war für die weitere Entwicklung
im ‚Rahmen der gegebenen Verhältnisse eine obere
Grenze nicht mehr vorhanden. Wir sehen hier ein Beispiel
dafür, wie sich die vertikale Gliederung dieser Länder schon
in alten Zeiten zugunsten der den gemäßigten Breiten entsprechenden
„tierra templada“ geltend machte. Und wenn
heute die Fabrikindustrie Mexikos an der Spitze der Industrie
der lateinisch- amerikanischen Länder steht, so hat sie dies
nicht zum mindesten den aus den geschilderten Verhältnissen
folgenden Erscheinungen zu danken. Selbstredend hängt
die Entwicklung der wirtschaftlichen und anderen Kultur
nicht nur von den. gegebenen natürlichen Verhältnissen ab,
sonst müßte sie ja bei deren Gleichheit überall dieselbe
Stufe erreichen, sondern sie hängt wesentlich ab von
der Fähigkeit der die Gebiete bevölkernden Bewohner, gegebene
Schwierigkeiten zu überwinden und günstige Verhältnisse
auszunützen, also von den moralischen Eigen-U