Argentinien.
die starken Zuflüsse an Bargeld zu danken sind. Die Grund-
besitzer und Viehzüchter erzielen jährlich hohe Erträge aus
ihrem Besitz, aber sie kommen mit ihren Erzeugnissen nie
selbst an den Markt, sondern sie sind abhängig von dem
aufkaufenden Händler. Die Ausfuhr der landwirtschaftlichen
Erzeugnisse liegt hauptsächlich in den Händen von vier
großen europäischen Häusern, ebenso ist die Einfuhr ein
Monopol der Ausländer; es gehen mithin alle Gewinne, die
durch geschickte Ausnützung von Preisbildungen auf dem
Weltmarkte zu machen sind, in fremde Hände. Das bei den
argentinischen Grundbesitzern sich bildende Kapital entsteht
und vermehrt sich also nur als Überschuß der Verkaufs-
summen der landwirtschaftlichen Erzeugnisse über den per-
sönlichen Verbrauch; der Handel ist ihm zunächst noch ver-
schlossen, und zur Betätigung auf industriellem Gebiete fehlt
die Energie. : Auch in der Fabrikindustrie und anderen großen
Anlagen, wie Elektrizitäts-, Gas-, Wasserwerken, Eisenbahnen,
Straßenbahnen herrscht ausschließlich das ausländische Kapital
vor, das große Gewinne macht. Ist nun an diesen das Land
selbst beteiligt? Zunächst ist es der Staat, der durch Zölle
und Steuern sich entsprechende Einnahmen sichert. Diese
werden wieder, abgesehen von den Ausgaben für Schulden-
zinsen, für das Heer, Besoldungen, Schul- und Unterrichts-
zwecke usw. zur Ausführung Öffentlicher Arbeiten benutzt,
wie Eisenbahnen, Hafenbauten usw. Solche Verbesserungen
kommen aber, besonders in den Häfen, hauptsächlich dem
Handel, also den Ausländern zugute. Die hohen Einfuhr-
zölle, im Interesse einiger weniger nationaler Fabrikanten
eingeführt, schützen die größtenteils ausländische Fabrik-
industrie, die Arbeiter sind in der Hauptsache Ausländer, die
ihre Ersparnisse dem Lande entziehen und in ihre Heimat
mitnehmen. So trägt die Arbeiterbevölkerung wenig zu der
Vermehrung des Bedarfs an Industrieerzeugnissen und des
Nationalvermögens bei, und da außerdem die Gewinne der
Weltmarktpreisbildung für die Bodenerzeugnisse in fremde
Hände gehen, so entsteht keine richtige Kapitalbildung im
Inlande; Anleihen, die der Staat auf.eigenem Gebiet macht,
werden zu auswärtigen Schulden.
; Wir haben also das eigentümliche von europäischen
Verhältnissen so sehr abweichende Bild, daß der Haushalt
des Staates sich immer günstiger entwickelt und zu allerlei
Ausgaben befähigt erscheint, daß aber das ganze Finanz-
system sich auf die wirtschaftlich kräftigeren Schultern der
Ausländer stützt, deren Gewinne an die Stelle des National-
LS