Full text : Die Entwickelung der Fabrikindustrie im lateinischen Amerika

Geographische Verhältnisse.
fangreichere und kostspieligere. Anlagen im Sinne der vorstehenden
 Ausführungen erfordert, ist man mit derartigen
Einrichtungen zur Hebung der Fabrikindustrie, wie mit dieser
selbst, noch weit zurück.
Durch vorstehende Ausführungen ist einer der Gründe
dafür gegeben, daß die Industrie in den tropischen und auch
in dern klimatisch nicht so sehr benachteiligten subtropischen
Ländern des lateinischen Amerika so lange rückständig blieb.
Gleichzeitig ist aber damit auch die Möglichkeit dafür dargetan,
 daß diese Entwickelung mit Hilfe der Technik vom
klimatischen Gesichtspunkte aus möglich ist, falls die vielen
anderen, hierbei mit in Rechnung zu ziehenden Umstände
keine unüberwindlichen Hindernisse darstellen.
Ein weiterer schwerwiegender, aus der geographischen
Lage zu erklärender Grund für die industrielle Rückdes
 lateinischen Amerika ist der Umstand, daß ‚diese
sämtlichen Länder, wie alle Länder der ‚heißen Zone,
nur sehr dünn‘) bevölkert waren und seither infolge
des sehr langsamen Fortschreitens der Kultur auf ihrem
Boden, noch wenig über: den ursprünglichen Zustand hinausgekommen
 sind. Es ist ein seltsames, schon besprochenes
 Naturschauspiel, daß, wo die Natur ihre Gaben
am reichlichsten spendet, der Mensch am wenigsten Trieb
hat, sich zu höherer Kultur emporzuschwingen. Die Fruchtbarkeit
 des Bodens allein vermag aber nicht, eine dichte
Bevölkerung hervorzurufen, denn sie kann ohne zahlreiche
Arbeitskräfte nicht ausgenutzt werden und vermag nur eine
beschränkte Anzahl von Menschen unmittelbar zu ernähren.
Da ’aber gerade die freigebige Tropennatur den Menschen
zu wenig Antrieb gibt, dem Boden durch Arbeit zu Hilfe
zu kommen, so bleibt die natürliche Bodenerzeugung eben
nur für die ursprüngliche dünne Bevölkerung ausreichend
und von einer Zunahme ‚der Eingeborenen ist nicht die
Rede.
Die lateinisch -amerikanischen Länder sind ein schlagender
 Beweis für die Einwirkung des Klimas auf die Dichtigheit
 der Bevölkerung?) in zweierlei Hinsicht: zunächst dafür,
daß die tropischen Länder dünner bevölkert sind als die
subtropischen und gemäßigten. Z. B. hat Brasilien die
dünnste Bevölkerung im Amazonasgebiet, die dichteste,
1) Vgl. Ratzel: Anthropogeogr. Band II, S. 204 u. f.
2) Vgl. Ratzel: Anthropogeogr. Band Il, S. 266 u."f.

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