Full text : Die Entwickelung der Fabrikindustrie im lateinischen Amerika

Geographische Verhältnisse.
Grade erlegen, indem mit der größtenteils fertiggestellten,
Buenos-Aires mit Valparaiso verbindenden Eisenbahn eine
Verkehrslinie quer durch den Kontinent vom ‚Atlantischen
zum Stillen Ozean geschaffen werden. soll, während außer
dieser eine Anzahl kürzerer Stichbahnen in den verschiedenen
Ländern der pazifischen Küste zu beträchtlichen Höhen der
Anden emporführen und deren vielfach ertragreiche Gebiete
mit dem Meere verbinden. Solche Anlagen sind, da die
Technik sie auszuführen imstande ist, verhältnismäßig leicht,
sobald das nötige Kapital zusammengebracht ist, das vielfach
 vom Auslande hereinströmt. Anders liegt der Fall bei
der Beseitigung oder Durchquerung der Urwälder und deren
Erschließung für die wirtschaftliche Nutzbarmachung. Bei
dieser Frage tritt recht deutlich ein Umstand in die Erscheinufig,
 von dem später noch eingehender die Rede sein wird,
der aber hier schon nicht außer acht gelassen werden darf,
wenn. man die ganze Entwickelung der lateinisch- amerikanischen
 Länder verstehen will. Wenn auch diese keine
Kolonien mehr sind, sondern unabhängige selbständige
Staaten, in deren Verband die Ureinwohner mit aufgenommen
sind, so kann trotzdem von gemeinsamen wirtschaftlichen
Interessen zwischen den beiden entgegengesetzten Bevölkerungselementen,
 nämlich dem die Kultur vertretenden und
verbreitenden europäischen Element einerseits und der Urbevölkerung
 andererseits nicht die Rede sein. Die Indianer
hängen an ihrem Grund und Boden, an ihrem Wald; die
Ausdehnung der Kultur durch die Europäer, wie z. B. die
Urbarmachung großer Landflächen für den Ackerbau, verdrängt
 die Indianer von ihrem Besitz, nimmt ihnen ihre
Lebensbedingungen, und führt sie dem Untergang entgegen,
der z. B. in Argentinien deutlich zutage tritt, wo wir die
Pampas heute fast frei von den sie früher bewohnenden
Stämmen finden. Besonders empfindlich sind die Waldvölker,
die in ihren Daseinsbedingungen derart mit dem Walde verwachsen
 sind, daß sie mit ihm zugrunde gehen müssen.
Ratzel!) sagt darüber: „Es treten Völker in so enge Berührung
 mit dem Wald, daß dessen Natur sich in ihr ganzes
Dasein verflicht und sogar in ihrem körperlichen Dasein
Spuren hinterläßt. Dadurch entstehen Völker und ganze
Kulturformen, die man sich nur mit einem mächtigen, überschattenden
 Walde als Hintergrund denken kann. Der brasilianische
 Waldindianer gehört zum Wald und verschwindet
') Ratzel: Anthropogeographie Il. 1884 S. 470.

18
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.