Full text: error

vom 8, bis 11. März 1922 verzögerte die Entscheidung der Repa- 
rationskommission noch mehr, Erst am 21, März kam ihr Beschluß 
zustande, Er setzte die Barzahlungen für 1922 in der Tat auf 
720 Millionen Goldmark fest, Die Summe wurde unter Anrechnung 
der von Januar bis März bereits gezahlten 282 Millionen Gold- 
mark so auf die einzelnen Monate verteilt, daß vom 15. Mai bis 
15, Oktober je 50 Millionen Goldmark und am 15, November und 
15, Dezember je 60 Millionen Goldmark zu zahlen waren. Sach- 
lieferungen wurden, wie vorgesehen, in Höhe von 1450 Millionen 
Goldmark verlangt, wovon 950 auf Frankreich und 500 auf die 
anderen Alliierten entfielen. Ferner wurde bestimmt, daß im 
Falle eines schuldhaften deutschen Verzuges in der Ausführung 
der Lieferungen ein etwaiger Fehlbetrag in bar zu erstatten sei, 
Von der Zahlung der Besatzungskosten wurde Deutschland befreit, 
Sie waren aus den Sachlieferungen zu entnehmen. Der Zahlungs- 
aufschub sollte nur einen vorläufigen Charakter haben, Die Kom- 
mission behielt sich vor, am 31. Mai nachzuprüfen, ob Deutsch- 
land den in ihrem besonderen Schreiben an den Reichskanzler 
gestellten Bedingungen nachgekommen sei, Je nach den Ergeb- 
nissen der Prüfung sollte das Moratorium bestätigt oder aufge- 
hoben werden. Im letzteren Falle waren die gesamten aufge- 
schobenen Leistungen unter dem Londoner Zahlungsplan zur 
Vermeidung von Sanktionen binnen vierzehn Tagen zu entrichten, 
Das besondere Schreiben der Kommission an den Reichs- 
kanzler nannte das Programm der deutschen Regierung für die 
Ordnung des deutschen Haushaltes ungenügend, Es erklärte 
weiter den Plan der Auflegung einer inneren Zwangsanleihe 
für unbestimmt. Die Kommission verlangte, daß die gesamten 
Lasten des Versailler Vertrages schrittweise und schnell in den 
Haushalt aufgenommen würden. Soweit die laufenden Einnahmen 
des Reichs hierzu nicht ausreichten, müsse das deutsche Kapital 
durch Anleihe oder direkte Abgaben herangezogen werden, Abge- 
sehen von den durch das „Steuerkompromiß‘“ umfaßten neuen 
Steuern sollte Deutschland bis zum 31. Mai 1922 durch Gesetz 
weitere Steuern in Höhe von 60 Milliarden Papiermark schaffen, 
Davon sollten 40 Milliarden bis zum 31. Dezember 1922 eingehen. 
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