Full text: Reis

Auslese nähert man sich allmählich dem gewünschten reinen 
Typus. 
Neben dieser Massenauslese können mehrere Methoden der 
Individualauslese angewendet werden, die aber für den 
Einzelpflanzer weniger in Frage kommen, weil sie entweder 
keinen Erfolg versprechen oder weil sie nur mit den Mitteln 
einer Versuchsstation durchgeführt werden können. Von gar 
keiner Bedeutung ist beim Reise die Auslese spontaner Varla- 
tionen, d. h. neuer, vererbbarer Eigenschaften, die ohne Kreu- 
zung plötzlich auftreten. Beim Reise werden sie überhaupt 
selten beobachtet und sind dann gewöhnlich sog. Minusvarianten, 
d. h. die Variation besteht in dem Verlust einer bisher vorhanden 
gewesenen Eigenschaft. 
In duın letzten Jahren ist wohl in den meisten Reisbauländern 
die Linientrennung versucht worden. Von Privatpflanzern 
sind zwar nur in Honduras und Italien eine Anzahl als reine 
Linien angesehener Varietäten auf den Saatmarkt gebracht 
worden, in Honduras die sog. Wrightschen Varietäten, in 
Italien die Varietäten Ranghino, Nero de Vialone, 
Jancino, Birmania und Taitu. In großem Ausmaße haben 
solche Linienselektionen aber eine Anzahl Reisversuchsstationen 
durchgeführt. Ihr praktisches Ergebnis wird verschieden be- 
urteilt. Die meisten sehen in der Linientrennung die Aufgaben 
der Zukunft für die Reiszüchtung. Jack (73, S. 89—95) er- 
wartet von ihr auf der Malaiischen Halbinsel eine Hebung des 
Durchschnittsertrages, die sich je nach den örtlichen Wachs- 
tumsbedingungen und Kulturmethoden zwischen 5 und 25% 
bewegen werde. 
Was versteht man unter Linientrennung? — Jede „Sorte“ 
oder ‚,Varietät‘‘ des Reises macht im ganzen zwar einen ein- 
heitlichen Eindruck, d. h. die einzelnen Individuen stimmen in 
den wichtigsten und hauptsächlich in die Augen fallenden Merk- 
malen einigermaßen überein. Aber eben doch nicht ganz; ım 
einzelnen findet man Abweichungen in ziemlich weiten Grenzen, 
da die Sorte oder Varietät ein Gemisch verschiedener Formen 
ist, deren Eigenschaften zum Teil wenigstens samenbeständig 
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