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Erstes Buch. Land, Leute und Technik. 
Abweichung erfährt oder erfahren kann. Diese Abweichung ist unter Umständen eine 
bloß individuelle, nicht sich weiter vererbende; sie kann aber, zumal wenn beide Eltern 
unter denselben Nebenursachen stehen, wenn diese sich durch Generationen fortsetzen, wenn 
die Modifikation sich mit dem vorherrschenden Typus gut verträgt und deshalb mit 
ihm verschmilzt, zu einer erblichen werden. Und dies wird in dem Maße leichter und 
stärker geschehen, als diese Nebenursachen ihre modifizierende Wirkung auf eine größere 
und in sich geschlofsene Zahl von Menschen, die unter sich geschlechtlichen Verkehr haben, 
lange Zeiträume hindurch ausüben. Die Variation befestigt sich dadurch, wird zu einem 
neuen, besonderen Typus, der nun, sei es für immer, sei es für sehr lange Zeiten, sich 
gleichmäßig erhält. 
Damit haben wir die Möglichkeit, die einheitliche Entstehung der verschiedenen 
Kassen und Völker zu verstehen. Der Streit darüber, ob die heute lebenden 1500 
Millionen Menschen einheitlichen oder mehrfachen Ursprungs seien, ist freilich noch nicht 
geschlichtet; manche Naturforscher leugnen die Einheit, Darwin bejaht sie. Die Wahr⸗ 
scheinlichteit, daß die amerikanischen Ureinwohner mongolischer Abkunft seien, spricht für 
sie. Ebenso die Thatsache, daß fast alle Rassen sich gegenseitig mit Erfolg begatten, 
daß die Entwickelung der Sprache, der Gebräuche und Reigungen, der Werkzeuge und 
Waffen, der fittlichen Vorstellungen und Gesellschaftseinrichtungen doch bei allen eine 
ähnliche ist, daß alle Rassen in eine gewisse Wechselwirkung treten. Wenn daneben die 
Ratur- und die Kulturvölker, die paffiven und die aktiven Rassen außerordentlich große 
Unterschiede zeigen, wenn die plötzliche Ubertragung der Einrichtungen und Sitten der 
höheren auf die niederen letztere oft vernichtet, so beweist das nicht sowohl gegen die 
Einheit als für die große Verschiedenheit und die unendlich langen Epochen der Ent— 
wickelung, für den durch die Variabilität erzeugten Fortschritt der höheren Rassen. Die 
aiederen sieht man heute allgemein als den Typus der ältesten Menschenart an, welchen 
wahrscheinlich manche noch niedriger stehende ausgestorbene vorangingen. 
Bei der Kompliziertheit des Entwickelungsprozesses der Rassen und Völker, bei 
dem großen Einfluß der unten noch zu besprechenden Rassenmischung ist es naheliegend, 
daß alle Versuche, Klarheit über ihr Verhälinis zu schaffen durch eine Einteilung je 
nach einem einzigen Merkmal, wie Hautsarbe, Schädelform und -Größe, Haarart und 
Farbe, Heimatland und Sprache scheitern mußten. Wir haben uns hier auch nicht 
mit der Frage aufzuhalten, wie viele Haupt- und Nebenraässen es gebe: die abend— 
ländische, weiße (kaukasische) und die mongöolische, gelbe mit je etwa 580 Millionen, 
die schwarze der Neger mit etwa 200 Millionen Menschen sind jedenfalls die wichtigsten. 
Daß die verschiedenen Rassen ausschließlich oder ganz überwiegend durch den natür— 
lichen Daseinskampf der Individuen und Gruppen und die geschlechtliche Zuchtwahl, 
durch welche jeweilig die höchststehenden Männer und Weiber sich begatteten und eine 
höher stehende, sich den Lebensbedingungen besser anpassende Nachkommenschaft erzielten, 
entstanden seien, wie Darwin will, wird heute nicht mehr zuzugeben sein. Darwin 
selbst hat seine Gedanken hierüber nicht näher ausgeführt. Der brutale Daseinskampf 
hat ficher viele schwächere Stämme vernichtet; innerhalb derselben hat er zumal früher 
keine große Rolle gespielt, wie wir schon sahen; die geschlechtliche Zuchtwahl hat inner— 
halb der Völker wohl einzelne Familien und Klassen emporgehoben, die aber keineswegs 
dann immer die kinderreichsten waren; sie kann einzelne Rafsen verändert haben; wie 
fie die Rassen- und Völkerscheidung beherrscht oder beeinflußt habe, ist nicht recht 
ersichtlich. Ansprechender scheint daher die Migrationstheorie von Moritz Wagner, 
welche die Darwinsche nicht negiert, sondern als Bestandteil, aber von geringerer Be— 
deutung, einschließt. Dieser große Reisende und Naturforscher verlegt mit dielen anderen 
die Entstehung des eigentlichen Menschen in das Ende der Tertiärzeit, also in eine 
Spoche der größten Veränderungen der Erdoberfläche und der Lebensbedingungen für 
alle organischen Wesen. Er knüpft hieran und an die Wanderungen aller Lebewesen 
und speciell der Menschen an; er läßt die Menschenrassen, wie die Tier- und Pflanzen— 
arten durch Wanderung von Individuenpaaren oder kleinen Gruppen nach verschiedenen 
Weltteilen mit verschiedenem Klima, verfschiedenen Lebensbedingungen in eben dieser Zeit
	        
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