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Die wirtschaftliche Bewegung.
Von Dr. Felix Kuh t.
Daß sich an das Schiff des Kaufmanns das Gute anknüpft, dieses
Thema, das Schiller wie einen Wahlspruch an die Schwelle des
19, Jahrhunderts gesetzt hat, haben wohl die meisten Zöglinge einer
höheren Lehranstalt mit mehr oder minder Geschick behandelt. Der
Dichter selbst aber hat nicht ahnen können, welche Probleme die
Folgezeit heraufbeschwören werde, Sein Sinnspruch, auf die phöni-
zischen Kaufleute gemünzt, war — man fühlt es deutlich — als eine
Art Entschuldigung oder Verteidigung für den Kaufmann gedacht. Die
Antike, das frühe und späte Mittelalter, die Zeit der Aufklärung hatten
noch nicht das rechte Augenmaß für die Bedeutung des gewerblichen
und kaufmännischen Standes, Die Menschheit jener Zeiten lebte in der
Überzeugung, daß die gewerbliche Arbeit, die Arbeit um des Nutzens
willen, durch eine weite Kluft von der eigentlichen Kulturarbeit getrennt
sei. Der Bauer, der Handwerker, der Kaufmann, sie hatten für des
Lebens Notdurft zu sorgen, die Motive aber, von denen sie sich leiten
ließen, waren in der Hauptsache Eigennutz und Gewinnsucht, und über
der ganzen Tätigkeit lag eine gewisse Atmosphäre der Geringschätzung
und Verächtlichkeit, Der wirtschaftende Mensch galt als Mensch
zweiter Ordnung! Fast alle Schriftsteller des Altertums blickten auf
die Arbeit des Kaufmanns geringschätzend herab, und es ist sehr inter-
essant, bei Cicero, in dessen Schrift über die Pflichten, nachzulesen,
wie er die gewöhnliche Arbeit des Händlers beinahe als Sklavenarbeit
betrachtet und allenfalls dem Großhändler eine gewisse Achtung zuteil
werden läßt, diesem aber im Grunde nur dann, wenn er sich, reich
geworden, vom geschäftlichen Leben zurückzieht und den größeren
Teil seines Lebens höheren Interessen widmet. Auch die mittelalter-
liche Kirche hat dem kaufmännischen Leben noch mit tiefer Skepsis
gegenübergestanden. Was nützen dem Menschen alle Schätze dieser
Erde, wenn er Schaden nimmt an seiner Seele? Vor den Augen der
Scholastiker konnte der Erwerbsmensch allenfalls dann Gnade finden,
wenn er sein Vermögen mehr oder weniger in den Dienst der Kirche
und der von dieser geübten Nächstenliebe stellte. Der reiche Kauf-