408 Dritter Teil. Industrie. II. Bausteine zur Würdigung der deutschen Industrie.
13. Die Düsseldorfer Gewerbe- und Industrie
ausstellung von 1802.
Von H. A. Bueck.
Bueck, Der Zentralverband Deutscher Industrieller 1876—1901. 3. Bd. Berlin,
I. Guttentag, 1905. S. 552—555.
Die deutsche Großindustrie, besonders die Eisen- und Stahlindustrie, hatte sehr
bedeutende Opfer für die Beschickung der im Jahre 1893 in Chikago veranstalteten
internationalen Ausstellung gebracht. Sie hatte dabei nicht aus innerer Überzeugung
und in der Erwartung irgend erreichbarer Vorteile gehandelt. Das Gegenteil war
der Fall gewesen. Die Industrie war durchaus nicht geneigt gewesen, in einem Lande
auszustellen, das mit rücksichtsloser Energie und mit ersichtlichem großen Erfolge seit
längerer Zeit bestrebt war, durch seine Zoll- und Handelspolitik fremde Industrie-
erzeugnisse von seinem Markt auszuschließen. Ein Teil der vorerwähnten Groß
industrie hatte sich, nach langem Zögern, schließlich doch bereit gefunden, in Chikago
auszustellen, weil, mit Rücksicht auf die allgemeinen Verhältnisse, an höchster maß
gebender Stelle die Beteiligung der deutschen Industrie an der Ausstellung in Chikago
gewünscht worden war.
Für die Wende des Jahrhunderts, für 1900, war eine große internationale
Industrieausstellung in Paris geplant. Die deutsche, besonders die große rheinische
Eisen-, Stahl- und Maschinenindustrie verspürte durchaus keine Neigung, wieder
große Opfer für eine Ausstellung zu bringen. Bei der Weigerung, dies zu tun, waren
auch Erwägungen anderer Art maßgebend gewesen. Man hatte sich gesagt, daß die
Industrie eines anderen Landes bezüglich wesentlicher, für eine Ausstellung durchaus
bedeutungsvoller Momente, wie beispielsweise hinsichtlich der Massenwirkung, immer
hinter der Industrie des die Ausstellung veranstaltenden Landes werde zurückstehen
müssen. Dazu kam, daß der für die deutsche Eisen- und Stahlindustrie bestimmte
Platz durchaus unzulänglich war. Er hätte wohl die Veranstaltung einer Kollektiv
ausstellung ermöglicht; zu einer solchen eignete sich die Eisen-, Stahl- und Maschinen
industrie im Deutschen Reiche jedoch durchaus nicht. Daher war diese Industrie 1900
in Paris nur vereinzelt und in sehr geringem Umfange vertreten gewesen.
Andere deutsche Industrien, insbesondere solche, denen es möglich war, in einer
Kollekttvausstellung wirkungsvoll in die Erscheinung zu treten, hatten damals in
Paris große Erfolge erzielt, so beispielsweise die Krefelder Seidenindustrie, die
deutsche Spielwarenindustrie und vor allem die vom Verein zur Wahrung der
Interessen der chemischen Industrie Deutschlands veranstaltete Ausstellung dieser
Industrie. Die deutsche chemische Industrie ist die erste der ganzen Welt, und sie hat
damals auch die Anerkennung und Bewunderung der ganzen Welt errungen.
Die rheinisch-westfälische Montan-, Eisen-, Stahl- und Maschinenindustrie er
kannte aber doch die Notwendigkeit, der Welt auch einmal ein Bild von ihrer Be
deutung und ihrem Können zu zeigen. Das konnte in genügendem Umfange und mit
voraussichtlichem Erfolge nur auf heimischem Boden geschehen. So wurde beschlossen,
im Jahre 1902 eine allgemeine Industrieausstellung für Rheinland und Westfalen
und die diesen Provinzen benachbarten Bezirke zu veranstalten. Eine ähnliche Aus
stellung, freilich in viel kleinerem Umfange und in weit bescheideneren Verhältnissen,
hatte bereits im Jahre 1880 in Düsseldorf stattgefunden.
Derselbe Mann, der mit verhältnismäßig sehr geringen Mitteln damals das
Unternehmen in höchst befriedigender Weise erfolgreich durchgeführt hatte, war auch
jetzt wieder an die Spitze getreten. Der Geheime Kommerzienrat Heinrich Lueg
von der Firma Haniel & Lueg in Düsseldorf, einer der ersten deutschen In-