Full text: Antike Wirtschaftsgeschichte

Mykenische Periode. 
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einer strengen Zncht gestanden haben, so wie die Untertanen im 
alten Ägypten oder Assyrien, die neben den Sklaven zu den großen 
Werken der Könige ihre Kraft zur Verfügung stellen mußten, wie 
denn überhaupt sehr viel dafür spricht, daß in jener Zeit in 
Griechenland starke Königsherrschaften bestanden. Wir besitzen noch 
große Reste vom „manergewaltigen" Tiryns (Ilias II, 559), von 
Mykenae — nach dieser Stadt, ans der sehr viele Funde stammen, 
wird die ganze Kultur als die mykenische bezeichnet — und von 
vielen andern Ansiedlnngen dieser Zeit neben Burg- und Grab- 
anlagen Kunstgegenstände und Geräte; hierzu kommen gewaltige 
Straßen, deren wohlgefügte Steinstächen noch heute im Peloponnes 
erhalten sind. Vor allem finden wir derartige Bauten auf dem 
europäischen Festlande, verwandte Knnstgegenstände in großer 
Zahl aber auch auf den Inseln, in Kleinasien und sogar in Ita 
lien. Diese Kultur, die sich an eine ältere anschloß, die wir zum 
Teil ans den untern Schichten der trojanischen Ausgrabungen 
kennen, hat dem Orient sehr viel zu verdanken gehabt. Der Han 
del hat hier eine entscheidende Rolle als Kulturträger gespielt, 
durch ihn sind wohl die ägyptischen Skarabäen und manches 
andere aus dem Orient in die mykenischen Gräber gekommen. 
Diesen Beziehungen zum Orient entsprechen auch die Schilderungen 
in den homerischen Epen, mögen sie sich nun ans diese oder ans 
die nächsten Jahrhunderte beziehen. Das oft erwähnte Elfenbein 
ist orientalischen Ursprungs (Odyssee IV, 73 f.). Die Burgbe- 
schreibnngen tragen einen so orientalischen Charakter, daß dies 
bereits den Alten auffiel (Dio v. Prusa, Reden, II 37 ff.). Die 
große Bedeutung des Handels mit dem Orient mag man auch 
daraus entnehmen, daß die dem Osten zugewendeten Küsten 
Griechenlands sich am frühesten kulturell entwickelt haben. Da 
die Ansiedlnngen der mykenischen Zeit häufig nicht allzuweit 
vom Lande entfernt waren, konnte dort der fremde Kaufmann 
leicht mit dem Hinterlande in Beziehung treten, Rohmaterialien 
erlangen und dagegen seine Waren an den Mann bringen. Viel 
leicht haben die Könige bereits diesen Handel selbst in die Hand 
genommen und frühzeitig Handelsfahrten unternehmen lassen. Die 
Produklion mykenischer Gefäße hat schließlich eine solche Voll 
kommenheit erlangt, daß dieselben weithin transportiert wurden, 
wahrscheinlich durch Phöniker, vielleicht aber auch durch Grie 
chen. Diese Tendenz, Handel und Industrie zu treiben, dürfte be 
wirkt haben, daß schon früh die Bewohner nahe beieinander lie
	        
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