Full text : Wie erhält ein Volk seine Währung?

Durch den Friedensschluß und durch den Krieg nach dem Krieg
ist dieses große Industrievolk in eine Lage gebracht, die einem
großen Teil der Industriearbeiterschaft die Existenzgrundlage
 genommen hat. Diese Menschenmassse lebte
vom Austausch ihrer Leistungen mit dem Ausland!). Vor dem
Kriege kaufte uns das Ausland einen Produktionswert von
10 Milliarden ab, jetzt nur noch von 6,6 Milliarden in altem Gelde
(1925). Es gibt kindliche Zllusionisten, welche glauben, daß die
Sachlieferungen (Dawestribut) eine Vermehrung der deutschen
Ausfuhr bringen würden. Das Gegenteil ist der Fall. Feder
Tribut bedeutet nicht Vermehrung, sondern Beschlagnahme
 eines Teiles der vorhandenen Ausfuhr
und dadurch Verminderung derjenigen Ausfuhr, auf die es ankommt,
 nämlich mit der man Einfuhr bezahlen kann. Nun aber
ist der lebendige Menschenkörper in der deutschen Industrie, der
von Ausfuhr und Einfuhr leben will, nicht kleiner, sondern nach
dem Krieg und durch Verarmung nur größer geworden. Wir
haben also seit T Jahren eine verborgene Existenzlosigkeit von
etwa 10 Millionen Menschen in Deutschland. Diesen HZustand
haben wir bisher mit schwindelhaften Mitteln zugedeckt. Mit
großer Inflation und mit Auslandskrediten. Nunmehr aber tritt
er zutage. Industriebevölkerung ohne Märkte — das ist
ein Zustand, der für die Stabilität der Währung recht
gefährlich ist.
Die Ursache der großen deutschen Inflation.
Im Ausland ist die Meinung verbreitet, daß die deutsche Inflation,
 durch welche Auslands- und JInlandsgläubiger ihr Geld
(an 100 Milliarden Mark) verloren haben, eine gewollte
Bosheit und Niedertracht deutscher Industrieführer, wie Stinnes,
gewesen sei, um sich zu bereichern. Im Innern Deutschlands
ist die Meinung, daß eine Reihe unfähiger Regierungen, hervorgegangen
 aus Massenherrschaft, zusammen mit einer Rotte
gewissenloser Schieber von eingewanderter Nationalität diesen
Raub begangen haben. Massenherrschaft und Korruption sind
unzertrennlich, und beide sind gewiß jedesmal der Währung sehr
gefährlich. Aber doch bleiben diese beiden Ansichten nur an der
Oberfläche und sehen nicht die elementaren, zwingenden Ur-
            
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