17. Titel: ESpiel. Wette. 8 762, 1377
iobende will zu einer beftimmten Tätigkeit anfpornen, mag auch fein Wunich
dahin gehen, daß der Erfolg, an defjen Herbeiführung die Selohnung geknüpft
‚it, nicht eintreten möge; der Wettende hat keinerlei Interefje an der Vor-
nahme einer foldhen Tätigkeit, da er lediglich feiner ‚AeberzeHgung von der
Wahrheit der aufgeftellten Behauptung Ausdruck geben will. Val. über
»iefe anläßlich des Vrozefles Dasbach gegen Hoensbrvech neuerlich viel-
Jejprochene Frage insbejondere Rodhler a. a. D. S. 7 ff. Ciiter a. a. ©.
5, 52 ff., Gamm in ©. ur.3. 1905 S. 392 ff., Xuhlenbek in Sur. Wichr.
1908 S. 646 (da3 Landg. Trier hat mit Urteil vom 1. Juni 1904 die
Erklärung des Kaplan8 Dasbach, er zahle 2000 ®ulden demjenigen, der
nachweife, daß in jefuitijhen Schriften der Sag „Der Zweck hHeiligt das
Mittel“ gelehrt werde, al3 Wette erklärt; das DLG. Köln dagegen hat mit
Urteil vom 30. März 1905 das Vorliegen einer Yuslobung angenommen ;
gl. hiezu auch Winkler im „Recht“ 1904 S. 355 ff, KRöttgen ebenda S. 380ff.,
Urt. d. Landg. München I vom 31. Januar 1906 und des DLSG. München
om 22. Mar 1906 Bl. f. RA. Bd. 72 S. 36.
Behauptung ift die Erklärung einer Tatfache auf Orund der von der
Kichtigkeit diejer Tatfache gewonnenen Neberzeugung; die Behauptung muß
ich aljo auf die Vergangenheit oder Gegenwart beziehen; mird eın
Sewinn zuguniten desSjenigen vereinbart, deffen Meinung über die Geftaltung
sufünftiger Berhältnire fich gegenüber der gegenteiligen Meinung des
ınderen Teiles als richtig erweifen wird, fo liegt Spiel, nicht Wette vor.
Wer alfo 10 ME. für den Sall verfpricht, daß ein am Horizont auftaucdendes
Schiff in weniger alS 3 Stunden die Rüjte erreicht, {hließt einen Spiel-
yertrag ab, mährend ein Wettvertrag vorliegt, fall® er unter einem Einfahe
jehauptet, daß das Schiff 3 (nicht, wie der andere Teil behauptet, 2)
Schorniteine habe (val. Dernburg & 211 Anm. 6, Pland Bem. HI, 2, c,
Schollmeyer S. 167, Crome S. 831; and. AUnf. Achille8 Note 1, Kohler
S, 309 und wie e8 {Oheint, RKÖOR.-Komm. Bem. 1).
Meber die fog. Wette „A coup sür“ f, unten Bem. II, 2, c, 8.
Yeber das Verhältnis der Wette zum bedingten Redhtsgefhäft f. Urt.
»>. NMeichsger. vom 28. Juni 1905 ROSE, Bd. 61 S. 153 ff. und biezu Gols
ın ©, Sur.3. 1909 S, 262 ff.
III Rechtliche Natur und Regelung im einzelnen. Spiel und Wette find
Verträge und zmar gegenfeitige Berträge im Sinne der $$ 320 ff. (vgl. Wind-
iheid-Ripp, Band. Bd. 2 S. 799 Anm, 2). Sie find nicht nichtig, begründen vielmehr
in unvollifommeneS Kechtsverhältnig nad Art der naturalis obligatio des gemeinen
Kechtes, indem das Gefeß „einem nach allgemeinen Srundfägen an ich gültigen Schuld-
verhältnis aug befonderen Gründen die Anerkennung bi8 auf ein gewifleS residuum
serlagt“ (MM. II, 644; „ehte Naturalobligation“, f. Vorbem. I, 9, b vor $ 241).
Die auf diefer Auffalfung, beruhenden Säge des S 762 ANof. 1 Sab 1 und 2 be-
gründen nicht nur eine Einrede, fondern jind von Umt8 wegen zu berücfichtigen
ebenfo Pland Bem. 5, Goldmann-Lilienthal S. 805, Achille8 Note 7, Urt. d. Reichsger.
dom 20. März 1903 ROES. in StS. Bd. 36 S. 205 ff.)
„.. J. Durch Spiel oder Wette wird gemäß S 762 Abj. 1 Sag 1 eine Berbind-
ichfeit nicht begründet und zwar weder eine Verbindlichkeit zur Bezahlung des
‚m Spiel oder in der Wette verlorenen Betrags, noch eine Berbindlichteit zur Zahlung
des EinfaßeS oder zur Entfaltung irgendwelcher zum Spiele oder zur Wette erforderlichen
Tätigkeit. Hieraus ergeben fich insbejondere nachftehende ZJolgerungen: ,
a) Eine Forderung aus Spiel oder Wette kann feitensS de3 Gewinners
nicht einfeitig zur Aufrechnung verwendet werden (f. Bem. I, 3 zu $ 387,
MM. IT, 644, NOS, Bd. 1 S. 130, Bd. 38 S. 238, Urt. d. Heichsger. vom
28. Suni 1905 ROSE. Bd. 61 S. 153 ff). Nicht ausgefchloffen it dagegen,
daß der Berlierende mit einer ihm zuitehenden anderweitigen Horderung
zegenüber der vom Gewinner geltend gemachten Spiel- oder Wettforderung
ıufrechnet oder daß zwifchen beiden Teilen ein förmlider Aufrechnunas-
vertrag gefchlojlen wird (f. unten unter 2, b, «).
) Die Bezahlung einer Spiel» oder Wettfhuld kann auch nicht durch Geltend-
machung eines BurücbehaltungsSrecht8 (S$ 273) erzwungen werden
al. Bem. I, 1, d zu S$ 273, Dernburg 8 212, I, 2, Schollmeyer S, 168, ı
land Bem. 3, b). , ,
Eine Forderung aus Spiel oder Wette Kann nicht gemäß S 607 FE 2 in
:ine DarlehenSforderung umgewandelt werden Ne Bem. VII, c, «
zu 8 607, Neumann Note 2, and Bem. 8, a, Achilles Note 2, Endemann I |
Etaudinaer, BOB. ITb (Schulbberhältniffe. Engelmann: Spiel. Mettch 5.76, Mufl. 87
3)