L.en. 11
Zwanges oder staatlicher Zuschüsse zu Ödlandaufforstungen gehört ins
Gebiet der Forstpolitik. Nicht au f f or stu n g s f ä h i g sind gewachsener
Fels, Gebirgslagen über einer bestimmten Meereshöhe und Flächen mit
stagnierender Nässe. Gewisse Torfböden sind für die Forstwirtschaft un-
geeignet, dagegen für die Landwirtschaft durchaus verwendbar.
Die Ertragfähigkeit der Waldböden wurde bis vor kurzem meist für
eine ge g e b ene, unveränderliche gehalten. Zur Verbreitung
dieser Ansicht trugen nicht wenig die Er tr a g st a f e ln bei, die von
einer Anzahl forstlicher Schriftsteller!) auf Grund umfangreicher Bestands-
aufnahmen aufgestellt wurden, und in denen der Wachstumsgang und der
Ertrag normaler reiner Bestände der verschiedenen Holzarten auf ver -
s<h ied enen Standortsklassen nachgewiesen wurden. Den
Maßstab für die Bonitierung des Bodens bildete in erster Linie die
H ö h e, die ein Bestand in einem bestimmten Alter erreicht hatte. Es
lag nahe, den solcherart festgestelten Wachstumsgang normaler
Bestände für al lg e m e ing ül tig, mithin die Ertr ag sl e i stu ng
des Bodens und damit auch die Stan d ort s k l a ss e für unver-
än derlich zu halten. Demgegenüber läßt die bedeutende nachhaltige
Hebung der Ertragfähigkeit landwirtschaftlich genutzter Böden, die unter
dem Einfluß intensiver Bearbeitung und reichlicher Düngung festzustellen
ist, ohne weiteres den Schluß zu, daß auch in der Forstwirtschaft eine
nachhaltige Steigerung der Ertragfähigkeit des Bodens durch geeignete
Wirtschaftsmaßnahmen erzielt werden kann. Eine ganz außerordentliche
Steigerung der Leistung während eines 29jährigen Zeitraumes ist neuer-
dings durch M öll er ?) für den als Dauerwald bewirtschafteten Forst
!) Besondere Verdienste um die Aufstellung von Ertragstafeln hat sich
der langjährige Leiter der forstlichen Abteilung der preußischen Hauptstation
des forstlichen Versuchswesens zu Eberswalde, Geh. Reg.-Rat Professor Dr.
Schwappach, erworben. Von ihm sind unter anderem veröffentlicht: Neuere
Untersuchungen über Wachstum und Ertrag normaler Kiefernbestände in der
norddeutschen Tiefebene. Berlin 1896. – Untersuchungen über Zuwachs und
Form der Schwarzerle. Wachstum und Ertrag normaler Fichtenbestände in
Preußen. Neudamm 1902. —~ Untersuchungen über den Zuwachsgang der
Eichenbestände. Neudamm 1905. — Die Kiefer. Wirtschaftliche und statische
Untersuchungen der forstlichen Abteilung der Hauptsstation des forstlichen Ver-
suchswesens in Eberswalde. Neudamm 1908. – Die Rotbuche. Wirtschaftliche
und sstatische Untersuchungen der forstlichen Abteilung der Hauptsstation des
forstlichen Versuchswesens in Eberswalde. Neudamm 1911.
_ ?) Oberforstmeister Möller, Kiefern-Dauerwaldwirtschaft, in der Zeitschrift
für Forst- und Jagdwesen, Januarheft 1920, S. 21.
Nn: