fullscreen: Neueste Zeit (Abt. 3)

276 Vierundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
Umständen natürlich vor allem die Landschaft werden. Und 
für sie hatten sich aus der impressionistischen Bewegung der 
Frühromantik heraus! Anfänge von schon nicht geringem Werte 
ergeben; so haben z. B. in Dresden der Norweger Dahl, der 
seit 1818 im Elbtale malte, und sein Hausgenosse Friedrich 
in einer Richtung gearbeitet?, die etwa auf den Umschwung 
hinausläuft, den in England Constable und andere herbei— 
führten, und der in Frankreich in der Schule von Barbizon 
seine volle Höhe fand. Allein diese Anfänge, wie wir sie vor 
kurzem eingehender verfolgt habens, blieben verstreut: und da, 
wo sie, wie namentlich in Düsseldorf, in Berührung mit der 
akademischen Romantik und deren Fortbildungen gerieten, er⸗ 
litten sie eine merkliche und doch für die Zukunft der deutschen 
Landschaftsmalerei auf lange hin maßgebende Abweichung. 
Die Stimmung nämlich, die die neuere Landschaftskunst wesent⸗ 
lich in der Wiedergabe der atmosphärischen Einwirkungen in 
Verbindung mit der Beleuchtung zu bewältigen oder hervor⸗ 
zuzaubern sucht, wurde an erster Stelle nicht auf diesem in 
der Entwicklungsrichtung der Gesamtmalerei gelegenen Wege, 
sondern auf Nebenwegen erstrebt: vornehmlich durch einen mit 
dem Bilde verknüpften Gedanken, also einen an sich gleich— 
gültigen Inhalt, wie er zumeist in einer Staffage zum Aus— 
druck kam; oder auch durch massive Mittel idealistischer Um— 
bildung der Formen, z. B. durch eine grobe Umreißung der 
Konturen vor allem des geologischen Aufbaus. 
Natürlich geriet man damit entwicklungsgeschichtlich ins 
Hintertreffen, so wenig man sich der dringenden Aufgabe der 
Wiedergabe freien Lichtes ganz zu entziehen vermochte: die 
Belebung der Landschaft durch Staffage gehörte vornehmlich 
dem 17. und 18., die Heroisierung des Konturs der klassi⸗— 
zistischen Landschaft des 18. und 19. Jahrhunderts an. Trösten 
konnte in diesem Zusammenhange nur, daß an sich hervor— 
S. schon Band VIII, 2, S. 611 ff.; dazu oben S. 99. 
2 S. a. a. O. S. 607. 
3 S. oben S. 270.
	        
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