22 Holzpreis.
Holzpreises, und zweitens um die im Laufe langer Zeiträume
feststellbaren oder, nach einem Ausdruck C a ss e l s !), die se k ul är en
Preisänderung en handeln.
Preisbildung des Holzes.
Das Holz gehört weder zu den unvermehrbaren noch zu den beliebig
vermehrbaren Gütern. Seine Erzeugung ist an den vorhandenen Wald-
boden und an den vorhandenen Holzbestand gebunden. Wenn streng
nach dem Gesichtspunkte der Nachhaltigkeit gewirtschaftet wird, ist die
Menge des jährlich zum Angebot kommenden Holzes durch den Abnutzungs-
satz des Betriebsplanes fest begrenzt. Es besteht aber die Möglichkeit,
bei besonders dringendem Bedarf, zum Beispiel in Kriegen, oder bei
einmaligem starkem Geldbedarf des forstwirtschaftlichen Unternehmers, den
Einschlag zu verstärken und entweder die Holzernte mehrerer Jahre im
voraus oder sogar einen erheblichen Teil des Holzvorratskapitals mit
zum Verkauf zu bringen. In gleicher Richtung wirkt die Möglichkeit,
bei steigenden Holzpreisen bisher wegen der hohen Transportkosten nicht
ausnutzbare Urwaldgebiete aufzuschließsen und der Abnutzung zuzuführen.
Wir können also das Holz als ein b e schränkt vermehrbares
G u t bezeichnen. Immerhin ist die Elastizität der Mehrung des Angebotes
im allgemeinen nur eine geringe. – Eine wesentliche, den Preis
beeinflussende Steigerung des Holzangebotes tritt zuweilen durch Insekten-
kalamitäten ein, die auf großen Flächen den Wald vernichten. Diese
Erscheinung kann jedoch, weil außergewöhnlich, hier außer Betracht bleiben.
Anderseits ist die Möglichkeit der Verwendung des
Holz e s in der Volkswirtschaft eine fast unbegrenzte; sie wird durch den
Holzpreis in der Weise geregelt, daß nur diejenigen Verwendungsarten
verwirklicht werden, die bei der jeweiligen Höhe des Holzpreises wirt-
schaftlich sind. Ein relativ niedriger Stand des Holzpreises gibt einer
ausgedehnten Holzverwendung Raum. Der jährliche Holzverbrauch betrug
auf den Kopf der Bevölkerung im Zeitraum 1907 bis 1913 in Deutschland
1,07 fmr); in den Vereinigten Staaten wird er auf über 7 km je Ein-
wohner geschätzts).
Um die Gesetzmäßigkeit der Preisbildung des Holzes klarzulegen,
wollen wir zunächst annehmen, daß in einer isolierten Volkswirtschaft,
1) Gustav Cassel, Theoretische Sozialökonomie, 3. Aufl., Erlangen und
Leipzig 1923, S. 426.
?) Max Endres, Forstpolitik, 2. Aufl., Berlin 1922, S. 629.
3) Daselbst, S. 765.