Full text: Theorie der forstlichen Oekonomik

Durch Konjunkturschwankungen verursachte Änderungen des Holzpreises. 29 
Wir wollen den Ro h ei s en p r e i s als Maßstab der Konjunktur- 
schwankungen verwenden; dann ermöglicht die graphische Darstellung in 
der nachstehenden Abbildung 1 die Feststellung, in welcher Weise die in 
den preußischen Staatsforsten je Festmeter Gesamtmasse erzielten Holz- 
preise in den Tahren 1871 bis 1913 von den Konjunkturschwankungen 
abhängig gewesen sind:). Da die deutschen Roheisenpreise in der Statistik 
des Deutschen Reiches erst seit 1879 angegeben sind, wurden für die Zeit 
von 1871 bis 1879 (nachrichtlich bis 1883) die Indexziffern der englischen 
Großhandelspreise für Roheisen verwendet. Die Preislinien sind vom 
Jahre 1913 in grader Linie auf die betreffenden Zahlen des Jahres 1924 
durchgezogen?). 
Die graphische Darstellung zeigt, daß die Holzpreise bis 1895 sehr 
viel stabiler gewesen sind als die Roheisenpreise. Selbst dem gewaltigen 
Emporschnellen des Eissenpreises in den „Gründerjahren“ steht eine relativ 
bescheidene Erhöhung des Holzpreises gegenüber. Eine gewisse Abhängigkeit 
des Holzpreises von den industriellen Konjunkturen ist auch in dieser Zeit 
unverkennbar; aber der Höchst- und Tiefstsstand des Holzpreises hinkt meist 
um ein bis zwei Jahre hinter den größten Ausschlägen des Eissenpreises 
her. Von 1895 an werden die Konjunkturausschläge des Holzpreises 
erheblich stärker ausgeprägt, und sie fallen zeitlich fast stets genau mit 
den Ausschlägen der Eisenpreisbewequng zusammen. Dies dürfte damit zu 
erklären sein, daß in früherer Zeit die Brennholzverwendung überwog, bei 
der, namentlich in den ländlichen Bezirken, einer gleichbleibenden Produktion 
eine gleichbleibende Nachfrage gegenüberstand, während neuerdings die 
Verwendung als Nutzholz immer ausgesprochener in den Vordergrund 
getreten ist. Dieses Steigen des Nutzholzanteiles beginnt etwa 1880, und 
zwar teils durch gesteigerte Verwendungsmöglichkeit und infolgedessen 
schärfere Nutzholzaushaltung des Buchenholzes, teils, besonders seit 1895, 
durch Verwendung des schwachen Nadelholzes aus den östlichen Kiefern- 
1) Die Ziffern sind in der Tafel 1 im A nh ang angegeben. Die Holz- 
preise sind Endres’ „Forstpolitik“ (2. Aufl., S. 91), die deutschen Roheisenpreise 
den Statistischen Jahrbüchern für das Deutsche Reich, die Indexziffern der 
englischen Großhandelspreise für Roheisen Gustav Cassels „Theoretischer Sozial- 
ökonomie“ (3. Aufl., S. 593) entnommen. 
?) Die Holzpreisziffer des Jahres 1924 ist die Durchschnittszahl für 1 km 
Gesamtmasse aus den Staatsforsten der Regierungsbezirke Königsberg, Gum- 
binnen, Stettin, Köslin, Stralsund, Breslau, Oppeln, Merseburg, Schleswig, 
Hannover, Hildesheim und Lüneburg. Die Gesamtziffer für die preußischen 
Staatsforsten lag bei Abfassung dieser Arbeit noch nicht vor.
	        
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