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Bolen Hat die Naturalwirtjhaft zum größten Teil bereits übers
yunden und it in VBolkswirtjhaft eingetreten. Trogdem befindet ji
Polen noch auf einer gewijlen Entwidlungsitufe und ijt no nidht voll-
fommen Indultriejltaat im Sinne der weiteuropäi[den Verhältnijje ge-
worden. Das „Zeitalter des Übergewidhts geiftiger YUrbeit‘“, wie es
der Nationalöfonom Conrad nennt, ijt alfo erft angebrochen. Dieljes
zeigt ih aud im Handwerk und in der Hausindulfjtrie. In
Polen Hat fidH in den Städten frühzeitig ein jtäbtijdes Handwerk
gebildet, aber wvielfad) gleichzeitig ein ländlihes Gewerbe, ein
Handwerk der Bauern, das teils den eigenen Bedarf an Kleidungs-
jtüden heritellte, (befannt [ind die bunten Lowiczer Bauernitoffe), teils
über den eigenen Bedarf hinaus Waren erzeugte; der ungenügende
Ertrag des ländlihen Bejiges war die VBeranlaffung dazu. Diele Haus-
indujtrie, befonders die Weberei, war falt durdhweg von den Iuden
für ihre Zwede dienjthar gemadt. Sie erteilten, von Dorf zu Dorf
wandernd, ihre Aufträge und nüßten infolge des Mangels an Berkehrs-
gelegenheiten die Notlage der bäuerlidhen Hausweber nad Möglichkeit
aus. Soweit die Hausinduftrie, vor allem das Handwerk, nidht an
den Herftellungsort gefejfelt war, führte fie zu einem Wander»
gewerbe. Nod) heute wandern allerlei Leute, zumeijt Juden, im Lande
herum und üben ihr Handwerk als Tilhler, Glafer, Schneider, Schujter
u. dal. aus. Früher fpielte das Handwerk in Bolen eine erheblich
größere Molle als in anderen Staaten; infolge der [päten Entitehung
der Kndultrie war es die einzige Quelle für die Heritelung tednijdher
Erzeugnijfe. Nu heute noch find mande Gegenjtände, die in Deut[d-
[and längit von der Fabrikindujtrie erfakt find, noch. dem Handwerk
bzw. der Hausindujtrie vorbehalten, wie 3.3. Sdouhwaren und
Herrenfleider. So leben 3. B. in MWarfhau gegen 10000 Schulter,
die ihre Erzeugnijfe im Handbetrieb heritellen, und zwar ftellt id) die
Fertigware meriwürdigerweife billiger als diejenige der wenigen DOI-
Handenen Schuhfabrifen. In Brzeziny wiederum, 20 km von Lodz ent-
fernt, ijft der Hauptjig der Hausinduftrie für Herftelung von Herren-
Heidern und des Kleiderhandels. Etwa 2000 Schneidermeijter werden
bier befcdhäftigt. 150 Unternehmer — Magazinäre genannt — geben
die zugefÄnittenen Kleidungsftüde an die Schneidermeijter weiter, die
mittels Gejellen und Lehrlingen auf Nähmajdinen die Waren fertig-
jtellen. Der Wert diejer Konfektion wird auf 7 Millionen Rubel
ge[häßt. Die Arbeiter erhielten früher einen äußerjt geringen Lohn,
täglid) 1—1,50 Rubel Arbeitslohn, es ij daher alles aud nur Schund-
ware. Die Stoffe Kamen aus Lodz, Tomalzow und Zgierz, die Arbeiter
waren falt aus[Hließlig Juden.
Ein merfwürdiges Bindeglied zwijden Handwerk, Hausindufjtrie
und eigentlider Indujtrie waren in .Polen die fogenannten Mietse
"Die wirtichaftlihe Zukunft des Oftens >