Wald- und Bodenreinertrag. 49
große Holzmenge ansieht!)." –~ „Daß die Waldreinertragslehre ein
technisches Ziel: größte Holzmenge (selbst mit dem Zusatz: größten
Wertes) ?) schon für wirtschaftlich hält, hängt wohl zu einem großen
Teil damit zusammen, daß auch die allgemeine Wirtschaftstheorie regel-
mäszig noch Wirtschaft und Technik verwechselt . . .“). Das leitende
Prinzip der Bo denr einertr ag sth e or i e hingegen glaubt Lief-
mann in der Erzielung eines m öglichst h o h en dauernden
Geldertr ages zu erkennen. „Ein möglichst großer Vorrat an
Althölzern ist sicherlich nicht das Ziel der Forstwirtschaft, sondern deren
Aufgabe ist, wie jeder Unternehmung, einen möglichst hohen dauernden
Geldertrag zu erzielen.“ ~ „Dieser Bedeutung des Geldertrages
hat denn auch die neuere Forsstwissenschaft Rechnung getragen und hat
für ihre wirtschaftlichen Probleme die sogenannte Bo denrein-
ertrag s theorie aufgestellt, eine Bezeichnung, die in ihrem letzten
Teile auf die Bedeutung des Geldertrages hinweist:).“ Und ferner:
„Das wirtschaftliche Ziel der Bodenreinertragslehre ist Geld, möglichst
hoher dauernder Reinertrag durch Produktion von Holz).“
Liefmann befindet sich im Irrtum über den Sinn der Wald- sowohl
wie der Bodenreinertragslehre. Daß man unter Wal dreinertrag
die Differenz der laufenden Erträge und der laufenden Kosten versteht,
wurde schon gesagt ). Das Wirtschaftsziel der Waldreinertragslehre ist
der nachhaltig h öchste Waldreinertra g. Wenn also Lief-
mann gesagt hätte: „Das Ziel der Waldreinertragslehr e“
(statt Bodenreinertragslehre) ,„ist möglichst hoher dauernder Reinertrag
durch Produktion von Holz“, so würde er damit das Richtige getroffen
haben. Die Vertreter der Bo denreinertr ag slehre (im engeren
Sinne) verstehen unter dem Bodenreinertrage etwas ganz anderes als
den Liesmannschen Reinertrag, nämlich denjenigen Teil des Ertrages,
der von ihnen, nach Abzug der laufenden Kosten und der weillkürlich
festgeselzten Zinsen des Holzvorratskapitals, dem Waldboden z U -
_ ') Derselbe, Volks-, Privat- und Forsstwirtschaftslehre in ihren Beziehungen,
i. d. Zeitschr. f. Forst- und Jagdwesen, Märzheft 1925, S. 174.
?) Diesen Zujatz zitiert Liefmann nach Emmelhainz, Zum Streit der Zeit,
Beilage z. Dtsch. Forstwirt 1924, Nr. 74, S. 2.
?) Liefmann, Volks-, Privat- und Forstwirtschaftslehre, i. d. Ztschr. f.
Forst- u. JTagdw., Märzheft 1925, S. 179.
*) Derselbe, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, I. Bd., 3. Aufl., S. 614 f.
.. °) Derselbe, Volks-, Privat- und Forstwirtschaftslehre, Z. f. F.- u. I,.,
Märzheft 1925, S. 175.
e) S. S: 44.
G o dbersen, Forstl. Oekonomik.