68 Rentabilität der Forstwirtschaft.
ersten Bande seines Handbuches der forstlichen Statik!) die Prüfung der
Rentabilität der üblichen Wirtschaftsverfkahren auf der Grundlage der
Bodenreinertragstheorie.
Der Umstand, daß die Rechnung der Vertreter der Bodenreinertrags-
lehre die größere Wirtschaftlichkeit niedriger Umtriebe ergab, und daß aus
diesem Grunde eine beschleunigte Abnutzung der vorsorglich angesammelten
Altholzvorräte gefordert wurde, löste bei der großen Mehrzahl der forst-
lichen Praktiker einen Sturm der Entrüstung aus. Die forstliche Welt
spaltete sich in zwei Lager, die sich in Jahrzehnte währender unfruchtbarer
gegenseitiger Bekämpfung erschöpften, ohne daß in der Richtung einer
Weiterbildung der forstlichen Rentabilitätslehre etwas Wesentliches geleistet
wurde.
Gegenüber der als Zur echnungslehr e von Liefmann?-)
gekennzeichneten Bodenreinertragslehre im engeren Sinne bringt
M ar t in wieder die schon von König vertretene Anschauung zur Geltung.
Als zutreffendsten Maßstab der Wirtschaftlichkeit des forstlichen Betriebes
betrachtet er nicht den Bodenreinertrag, sondern das Verhältnis des
Waldreinertrages zu dem aus Boden und Holzvorrat bestehenden Anlage-
kapital: „Das Verhältnis des reinen Ertrags einer
Wirtschaftseinheit zu dem ihm zugrunde liegenden
Pro duktionsfonds bringt die Rentabilität der
Wirtschaft am richtigsten zum Aus dru > ?).“ Allerdings
will Martin diese Methode nur für den jährlichen Betrieb angewendet
wissen. Von der Möglichkeit ihrer Anwendung im ausssetzenden Betriebe
wird noch zu reden sein.
Mit dem gleichen Problem haben sich in jüngster Zeit Arbeiten von
Voß und Le m mel beschäftigt. V o ß weist darauf hin, daß die Frage-
stellung der Bodenreinertragslehre nicht richtig ist. „Sie muß nicht lauten:
Wie groß ist Beu+1) bei 3 oder 2 °/% oder irgendeinem anderen Zinsfuß
für u = 120, 110 usw., sondern: Wie groß ist der forstliche Zinsfuß für
die genannten Umtriebszeiten bei feststehendem Bodenkaufswert? )“
Nach Le m mel !) soll für die Feststellung des Wirtschaftserfolges
1) Leipzig 1871.
?) Vgl. S. 42.
>\ Martin, Die forsstliche Statik, 2. Aufl., Berlin 1918, S. 178.
+ Der Bodenertragswert für die Umtriebszeit u.
5) Oberförster Voß, Welchen Einfluß hat die Höhe der Kulturkosten auf
die Waldverzinsung? i. d. Ztschr. f. Forst- u. Iagdw., Oktoberheft 1924, S. 616
s) Lemmel, Die Bodenreinertragslehre im sozialökonomischen Lichte, i. d.
Ztschr. f. Forst- u. Iagdw., Februarheft 1925., S. 76 f.