' Virtschaftsziel der Forstwirtschaft.
besonders auf einer primitiven Stufe der Forstwirtschaft eine Rolle; in
Betriebswerken des 18. Jahrhunderts wird häufig vor Bemessung des
Abtriebsalters die Frage gestellt: Welche Holzsorten und Durchmesser-
stärken müssen zur Deckung des örtlichen Bedarfes erzogen werden?
Dieser Gesichtspunkt, dem besonders in den landesherrlichen Forsten
Rechnung getragen wurde, findet seine Begründung in der merkan-
tilistischen Wirtschaftsauffassung der damaligen Zeit. Das technische
Wirtschaftsziel stellt demnach weniger eine wirtschaftstheoretische als eine
wirtschaftspolitische Zielsetzung dar.
Lief mann spricht in seinen Schriften wiederholt von einem
Wirtschaftsziel der höchsten Holzmassenerzeugung,
das er der Waldreinertragslehre zuschreibt!). Ein Wirtschafts-
ziel des höchsien Holzertrages ohne Rücksicht auf die Qualität hat wohl
niemals in der Geschichte der Forstwirtschaft eine irgend nennenswerte
Rolle gespiel. Wenn von Vertretern der Waldreinertragslehre die
Erzeugung einer möglichst großen Holzmenge größten
Wertes ?) als Virtschaftsziel der Forstwirtschaft bezeichnet worden ist,
so hängt das damit zusammen, daß die lauf enden Kosten der
Forstwirtschaft bei verschiedenen Umtriebszeiten verhältnismäßig konstant
bleiben; man macht also keinen großen Fehler, wenn man die Kosten
unberücksichtigt läßt. Genau genommen ist das Wirtschaftsziel der Wald-
reinertragslehre nicht een Max im um des Rohertrage s (das mit
einer „möglichst großen Holzmenge größten Wertes“ gleichbedeutend sein
würde), sondern, wie schon früher gesagt?), eim Maximum des
Waldreinertra ges, das ist der Differenz der laufenden
Erträge und der laufenden Kosten. Durch die Preissteigerung
des Holzes bei wachsendem Durchmesser steigt nun der durchschnittliche
Waldreinertrag je Flächeneinheit noch bei Umtriebszeiten, bei denen der
Massenzuwachs der ältesten Bestände schon erheblich sinkt; daher ergibt
sich rechnungsmäßig bei Benutzung der Zahlen der Ertragstafeln das
Maximum des Waldreinertrages bei sehr hohen Umtriebszeiten, nach
E ndre s !) der Regel nach zwischen 120 und 160 Jahren und auch noch
darüber. In Wirklichkeit dürfte die Umtriebszeit des höchsten Waldrein-
ertrages hinter der rechnungsmäßig aus den Ertragstafeln sich ergebenden
nicht unerheblich zurückbleiben, da es n o r m a l e Bestände von 120 bis
1) Vgl. S. 48.
?) Vgl. S. 49.
?) Val. S. 49.
#) Max Endres, Handbuch der Forstpolitik, 2. Aufl., Berlin 1922, S. 63..
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