Arbeitslosigkeit als chronischer Zustand.
Betrachten wir die Arbeitslosigkeit als dauerhaften
Zustand! Eine solche ist gleichbedeutend mit dem chronischen
Zustande mangelnder Aufnahmsfähigkeit eines Arbeitsmarktes
gegenüber dem Angebote an Arbeitskräften. Allerdings er-
scheint uns diese Erklärung noch ungenau. Das Verhältnis
des Angebotes zu der Nachfrage jedes Marktes, daher auch
eines Arbeitsmarktes, muß — wie bekannt, und wie in der
Folge noch besonders einleuchten wird — jeweils bezogen
sein auf einen Preis, in unserem Falle auf einen Lohnsatz,
zu dem angeboten und zu dem nachgefragt wird oder werden
würde. Genauer gesprochen liegt chronische Arbeitslosigkeit
somif dann vor, wenn auf einem Arbeitsmarkte das Angebot
die Nachfrage bei einem gegebenen Loöhnsatze dauernd
übersteigt. Ein derartiger Zustand vermag nur für einen ein-
zelnen Arbeitsmarkt oder so gut wie für die Gesamtheit
solcherart — untereinander ja teilweise kommunizierender —
Märkte einer Volkswirtschaft festzustellen sein. Die unten
stehenden Ausführungen beanspruchen — mutatis mutandis —
für beide Möglichkeiten gleichermaßen Geltung. In der späteren
Folge allerdings sollen die zuerst gewonnenen Erkenntnisse
lediglich Anwendung finden auf den zweiten Fall einer die
ganze Volkswirtschaft durchsetzenden chronischen Arbeitslosig$-
keit, also auf einen Zustand, der leider heute in einer ganzen
Reihe von Ländern, wie in Österreich, Deutschland, England
u. s. f., mehr oder minder vorherrschend ist.
Machen wir uns den Zustand solcher Arbeitslosigkeit
einmal recht augenscheinlich!
Fragen wir uns zuerst, wo die nächsten, ins Auge fallenden
Ursachen des oben gekennzeichneten Verhaltens des Angebotes
und der Nachfrage auf einem, oder besser gleich auf der
großen ganzen Gesamtheit der Arbeitsmärkte zu suchen sind.’)
') Wir legen der weiteren Darstellung die vereinfachende Annahme
einer einzigen Arbeitsart für die ganze Volkswirtschaft, sowie damit gegse-
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