Full text: Das wahre Wesen und die wahren Aufgaben der Arbeitslosenversicherung und produktiven Arbeitslosenfürsorge

Da in der Volkswirtschaft die Größe des Angebotes an 
Arbeitschlechthin (d.h. vom Arbeitsmarkte aufgenommener 
und nicht aufgenommener Arbeit) für einen gegebenen Zeit- 
raum im sroßen und ganzen als gleichbleibend anzusehen 
ist, wird im gegebenen Zeitpunkte die Entscheidung über die 
Frage, ob Arbeitslosigkeit vorherrschen muß oder nicht, bei 
dem Verhalten der Nachfrage nach Arbeit zu suchen sein.”) 
Diese Entscheidung seitens der Nachfrage fällt aber nicht 
auf dem Arbeitsmarkte, dessen Nachfrage nur als Exponent 
weiter zurückliegender Verhältnisse und Bindungen zu ver- 
stehen ist, sondern sie fällt zunächst auf dem Produkt- 
markte, d.h. dort, wo der Konsument der Waren, für deren 
Herstellung u. a. diese Arbeit benötigt wird, je nach den 
Preisen (in diesem Zusammenhange ist es zunächst Sanz 
sleichgiltig, ob es sich um sogenannte Konkurrenzpreise oder 
um Monopolpreise handelt) die Höhe des Umsatzes an solchen 
Gütern und daher bei gegebenen Preisen die Menge der 
tatsächlich zur Verwendung gelangenden Arbeit bestimmt.”) 
bener einheitlicher Lohnsätze, auf die sich Gesamtangebot und Gesamtf- 
nachfrage beziehen, zugrunde. Das Ergebnis der unter dieser Annahme 
erfolgenden Ausführungen wird sich — wie später von selbst verständlich 
erscheinen wird — ebensogut auf eine Volkswirtschaft mit der den Tatsachen 
allein entsprechenden Vielheit von Arbeitsarten und demgemäß abgestuften 
Lohnsätzen beziehen lassen. Ihre Existenz der Darstellung von vorneherein 
zugrundezulegen, würde die Durchsichtigkeit des Beweisganges unnöfig 
hindern, da dadurch keine Änderung in den maßgebenden Grundlagen 
oder in der Durchführung des Beweises selbst herbeigeführt, bezw. nof- 
wendig würde. 
2) Die Menge derjenigen, die Arbeit leisten oder Arbeitsmöglichkeiten 
suchen — und damit bei gesetzlich festgelegtem Stundentage die Menge der 
in der Wirtschaft überhaupt angebotenen Arbeit schlechthin — vermag zu 
einer bestimmten Zeit nur geringen Schwankungen zu unterliegen. Der 
Grund hiefür ist vor allem darin zu sehen, daß der Lohnarbeiter in der großen 
Regel auf den Arbeitsverdienst als Lebensunterhalt so oder so angewiesen 
ist. Daher vermögen selbst ausgiebige Lohnänderungen im Augenblicke 
keine wesentlichen Änderungen in der Zahl der Lohnarbeiter herbeizu- 
führen. Soweit solche Änderungen im Einzelnen in Frage kommen, zeigen 
sie die Tendenz, sich in ihrer Wirkung auf die Gesamtzahl der Arbeiter- 
schaft auszugleichen. 
3) Naturgemäß ist das Verhalten des Konsumes u. a. selbst wieder 
abhängig von der Art der Einkommensbildung (Zahl und Größe der Ein- 
kommen), also auch der Lohnhöhe, so daß sich auf diese Weise der Ring 
der Zusammenhänge schließt, und dieser Prozeß — dynamisch gesehen — 
in eine Balance der Wechselseitigkeit ausklingt. Auf diese Tatsache ist 
in diesem Zusammenhange nicht näher einzugehen, sie wird in der in 
der Vorrede ansekündieten späteren Abhandlung des Verfassers aus- 
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