Full text : Die Deutschen im Auslande

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Ich  bin  von  jeher  ein  Revolutionär  aus  der  Schule
Robespierre  gewesen,  der  in  seiner  Konstitution  schrieb:
„Soziale  Unterdrückung  ist  es,  wenn  auch  nur  ein  einziges
Individuum  unterdrückt  wird."  Ich  sah  den  vollen
Egoismus,  die  ganze  Feigheit  der  aristokratischen  Welt,
welche  dieses  edle  Wesen  ihren  herzlosen  und  angefaulten ­
  Vorurteilen  opferte.  Nachdem  ich  diese  ganze
Geschichte  untersucht  hatte,  erkannte  ich  wohl,  daß  der
wahre  Ursprung  und  die  Ursache  des  Unglücks  der  Gräfin
nur  in  dem  Adel  ihrer  Seele  lag,  die  sich  nie  vor  dem
tyrannischen  Geist  ihres  Mannes  erniedrigen  und  unterwerfen ­
  oder  seinen  rmwürdigen  Launen  hatte  schmeicheln
wollen,  die  nie  die  Grundsätze  des  Schönen,  Wahren
und  Erhabenen  hatte  verleugnen  wollen.  Ich  sah,  daß
diese  Frau  sich  während  einer  Reihe  von  zwanzig  Jahren
im  Unglücke  verzehrt  hatte,  nicht  obgleich,  sondern  weil
sie  größer  und  edler  war  als  alles,  was  ich  bis  dahin
angetroffen  hatte.
Ich  schämte  mich  für  die  Menschheit!
Und  alle  diese  Schrecken  und  Unterdrückungen  gegen
ein  wehrloses  Weib!  Ich  schämte  mich  meiner  Nation!  —
Es  ist  wahr,  es  fehlt  meiner  Nation  —  ich  spreche
nicht  von  dem  niedern  Volke,  dieses  hat  viel  Edelmut  —,
eS  mangelt  der  deutschen  Aristokratie  und  Bourgeoisie
jede  Spur  von  Ritterlichkeit.  Sonst  wäre  so  etwas  nicht
möglich  gewesen!
Ich  sagte  mir  selbst  also:  Möge  niemand  sagen  können,
daß  du  alles  dies  kennst  und  trotzdem  diese  Frau  ruhig
erwürgen  läßt,  ohne  ihr  zu  Hilfe  zu  kommen.  Wenn
du  das  tust,  mit  welchen:  Rechte  würdest  du  anderen
ihren  Egoismus  und  ihre  Feigheit  vorwerfen  können.
            
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