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Erstes Buch, Cap. 5.
dass die grösste Summe von menschlichem Glück entstehe;
alle Menschen (mit Ausnahme von Abnormitäten) seien physisch
ähnlich constituirt und daher bei gleicher Behandlung gleichen
Glückes fähig; das Glück der Majorität ginge dem der
Minorität vor.
Man erkennt in diesen Ausgangspuncten die bei allen
socialistisch gefärbten Schriftstellern irgendwie auftauchende
Lehre von der Arbeit als Werthmaass, eine extreme Gleich-
heitsliebe und einen Rückfall in den Individualismus, indem
doch die Majorität der Individuen wieder an Stelle der Ge-
sammtheit tritt.
Thompson führt in dem Programm (Satz 5—10) weiter
aus, zur Steigerung der Production sei volle Sicherheit der
Producenten, ihr Product unbeschränkt geniessen zu können,
nöthig. Jede gewaltsame Wegnahme schade dem Benach-
theiligten mehr als es Anderen nützen könne und es dürfe
daher keinem Arbeitenden von seinem Product oder seiner
Arbeit das Geringste genommen werden, es sei denn gegen
ein von ihm selbst als genügend anerkanntes Aequivalent.
Daraus werden dann einige rein freihändlerische Consequenzen
zezogen, zugleich aber wird, soweit es die „Sicherheit‘“ zu-
lässt, grösstmögliche wirthschaftliche Gleichheit verlangt.
Wie dies miteinander vereinigt werden soll, erhellt noch
nicht aus den Sätzen des Programms selbst, wohl aber aus
den folgenden Erklärungen, denenzufolge sich Thompson’s Idee
kurz dahin zusammenfassen lässt, dass jedem Arbeitenden
der volle Ertrag. seiner Arbeit durch freiwillige Asso-
ziation gesichert werden soll, wobei dann factisch ziemlich
grosse Gleichheit entstehen wird.
Was nun zunächst diese Idee der annähernden Gleich-
heit betrifft, so giebt es gewiss ein ungesundes Maass von
Ungleichheit. Im Eifer dagegen vergisst aber Thompson
unbedingt, dass ein grosses Maass von Ungleichheit
aine Culturnothwendigkeit ist. Ein solches wird nothwendig
Aurch die Arbeitstheilung, welche zugleich dem Aermsten
mehr bietet, als er ohne Arbeitstheilung haben könnte. Es
ist unentbehrlich. um ungewöhnliche Talente zur Entfaltung