Ein Kohlenhauer: „Vor mir liegt ein Stahlstich Nietzsches.
Durch die Tore seiner Augen versuchte ich hinabzusteigen in
seine tiefsten Seelentäler, tastete mich empor zu den höchsten
Gratspitzen. Es war ein Zarathustrasuchen mit brennenden
Augen. Die Gesamtforschungen Nietzsches verunglücken in
der Verachtung alles Tieflebens. Brauchbar, nützlich ist eine
Weltlehre nur, wenn sie an alles Lebendige anknüpft, wenn sie
die Harmonien des Lebens sieht. Nietzsche kann den Sozialisten
nichts geben, weil er den großen Haufen vom Glück seiner
Zukunftssonne verbannt, ihm ist der Ameisenkribbelkram ein
beengender, störender Ekel. Diese Unlust ist sein Fall. Alle
diese kleinen Menschlichkeiten, die sich als Hemmschuh auf
den Weg zur Höhe werfen, sind Impulse des natürlichen Brand
zeichens des absterbenden Tieres, aus dessen Hülle schon zag
haft der fühlende Mensch heraufsteigt. Hier gilts nicht zu töten,
sondern zu fördern. Alle Zeichen deuten mit Sicherheit darauf
hin, daß die Natur als letzten Triumph die Durchgeistigung
des Lebens plant.
In der zitternden Brutalität des Tageskampfes, in der Roheit
der Lebensformen kriecht der Geist des großen Haufens wie
ein verwundeter Wurm, vom Fuß des Herrenmenschen breit
getreten. Es ist ja das Drama der Flügelgebundenen, daß ihr
Blut die Morgenröte des Übermenschen bedeutet. Eine Adels
herrschaft des Gedankens wird sich immer behaupten, ein Ring
der Ewigkühnen, der Schwächling verzehrt sich in den Rät
seln der Sehnsucht, der Starke wagt sich durch bis zur Einsam
keit cjes Ichs, bis zur stillen Höhe höchster Selbstbemeisterung.
Und doch glaube ich: Für den Weiterschauenden geht der
Weg durch den Sozialismus zur Individualitätsmöglichkeit
Nietzsches.“ etc. etc. Ein Förster Weber hat sich mit einem
Wochenlohn von 21 M. Nietzsches „Also sprach Zarathustra“
erdarbt und kommt zu folgender Bilanz: „Ich bin ja nur ein
einfacher Tuchweber, aber alles, was ich mir aus Nietzsche
geholt, hat mir die Seele erhoben, innerlich kehrte ich stets
bereichert aus seinen Gefilden zurück. Unendlich über die
Grenzen des individuellen Daseins hinaus weitete Zarathustra
mir die Seele und führte mich allmählich zu jener Heiterkeit
empor, die die Misere des Lebens bezwang. Ich verdanke
Nietzsche ferner, daß er mir das Endziel gezeigt hat. Als Sie
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