Full text : Über Wahrsager, Weltverbesserer, Nerven- und Geisteskrankheiten im Kriege

ben, entsagte dem Alkohol und vertiefte sich in die Bibel. Er
machte auch mehrere Wallfahrten.
In die Heimat zurückgekehrt, erklärte er, er sei ein Prophet
und Hellseher. Äußerlich trug er sich wie die Geistlichen.
Bald galt er auch in seinem Dorfe und desssen Umgebung als
eine Art Heiliger.
Bei seinem ersten Erscheinen in Petersburg auf einer Wallfahrt
 erregte er + namentlich bei den Frauen + großes Aufsehen.
 Mehrere hochgestellte Damen besuchten ihn später in seiner
Heimat.
Bis zu diesem Zeitpunkt soll er in Armut gelebt haben. Als
er begann bekannter zu werden, übertrug man ihm die Leitung
von öffentlichen Sammlungen für Kirchenbauten usw.
Damit setzte auch sein finanzieller Aufstieg ein. Durch kirchliche
 Kreise und einige hochgestellte Damen wurde er nach Petersburg
 lanciert und der Zarin vorgestellt.
Da er schon in der Heimat Epileptische, Lahme, Blinde und
Besessene „geheilt“ haben sollte, holte die Kaiserin seinen Rat bezüglich
 des Thronfolgers, der viel kränkelte, ein. Sie sprach auch
über ihre eigene Nervosität mit R. Dieser verschaffte ihr und dem
Sohne, anscheinend durch Hypnose, Linderung und gewann auf
diese Weise weitgehendsten Einfluß auf beide. Der Zar begann
sich infolgedessen auch sehr rasch für ihn zu interessieren. Damit
war seine Stellung befestigt. Bei Besetzungen von Ministerposten,
 bei politischen Intrigen, Konzessionserteilungen, finanziellen
 Transaktionen, kurz, bei allen möglichen wichtigen Fragen
wirkte er mit, und zwar nicht etwa unter bestimmten politischen
Gesichtspunkten, sondern meist nur geleitet von anderen politischen
Strebern und mehr oder minder einwandfreien Geldleuten. Sehr

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