Full text : Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

IV. Außenpolitische und innerpolitische Wandlungen in der Hanse 155

am nächsten gekommen sein. Jedenfalls hat Blümcke erkannt, daß bei weitem der wichtigste
 Platz für die Erkenntnis und Deutung der Bevölkerungszusammenhänge des
ältesten Stettins Lübeck ist; auch dann, wenn die Namen nach westlicher gelegenen
Städten zu weisen scheinen. Wenn Blümcke S. 105 die Vermutung aufstellt: „daß eben
Lübeck mit den jüngeren Sprossen seiner Kaufmannsgeschlechter den Städten des jungen
Colonistenlandes größeren Capitalreichtum und reichere Erfahrung für den Handelsverkehr
 wie für das politisch-communale Leben zugeführt habe‘, so war er, wie die Ausführungen
 im Text zeigen, damit gewiß auf der rechten Spur. Die Blümcke’schen Ausführungen
 S. 98 ff. lassen vermuten, daß Lübeck an der Entstehung Stettins als städtischer
Siedelung mitbeteiligt war; jedenfalls ist Stettin für eine eingehendere Untersuchung der
von Lübeck ausgehenden Stadtgründungspolitik, als ich sie unten auch noch für das
13. Jahrhundert gegeben habe, mit zu berücksichtigen.
?) Zur Literatur: L. K. Goetz, Deutsch-Russische‘ Handelsgeschichte des Mittelalters,
 Lübeck 1922, und H. G. v. Schroeder, Der Handel auf der Düna im Mittelalter,
Hans. Gbll. Bd. 23, 1917.
8) Vgl. die Ausführungen von W. Recke in den Mitteilungen des Westpreußischen
Geschichtsvereins 1924, S. 1{ff.
®) Die neueste Publikation über „Das Weichsel-Nogat-Delta‘‘, von Bertram-La
Baume-Kloeppel, Danzig 1924, ist für diese Fragen unergiebig.
9a) Herr Archivrat Dr. W. Stephan hatte die Freundlichkeit, mich hierauf hinzuweisen.

10) Vgl. auch Walter Vogel, Geschichte der Deutschen Seeschiffahrt, Bd. 1, S. 252.
2) Vgl. Vogel, a. a. O0. S. 254f.
2) Vgl. hierüber neuerdings: G. Brodnitz, Englische Wirtschaftsgeschichte, 1918,
5. 373ff,
13) Über das Sundproblem vgl. jetzt die Ausführungen unten S. 162ff, Sie sind zur Eryänzung
 dieses Aufsatzes, in dem das Sundproblem zu sehr zurücktritt, heranzuziehen.
14) Sie ist ein Teil des verhängnisvollen Sundproblems. Vgl. die vorige Anm.
3) Vgl. hierzu W. Mantels, Beiträge zur lübisch-hansischen Geschichte, Jena 1881,
5. 287ff.; insbesondere S. 298; 302.
16) Zwischen dieser Bewertung des Besuches Karls IV. in Lübeck und der, die neuerdings
 Heinrich Reincke in den Hans. Gbll. Jg. 49, S. 113 gegeben hat, scheint ein
Widerspruch zu bestehen. Der Widerspruch ist aber nur scheinbar. Es ist sehr wohl möglich,
 daß Karl IV. bei seinem Aufenthalt in Lübeck auch wirtschaftspolitische Pläne
von jener Großzügigkeit bewegten, von denen uns Reinckes Untersuchung ein so anschauliches
 Bild gegeben hat. Auch sprechen ja die beiden bedeutsamen kaiserlichen
Privilegien für Lübeck vom 23. März 1374 (L.U.B. IV, Nr. 222, 223) eine deutliche Sprache
für die Wohlgesinntheit des Kaisers für die Stadt und den Wunsch, sie an sich heranzuziehen.
 Aber der politische Gegensatz zwischen städtischer und fürstlicher Politik wird
gerade bei den in Lübeck geführten Verhandlungen deutlich hervorgetreten sein. Daß
Karl IV. dabei nach innerer Einstellung und eigenen politischen Absichten auf Seiten der
Fürsten stand, ist zweifellos. Man wird die knappen Worte, in die Mantels a. a. O. S. 302
sein Urteil über das Scheitern der nordischen Thronfolgepläne Karls IV. zusammenzefaßt
 hat, auch für diese Frage gelten lassen dürfen: „An den natürlichen Gegensätzen
städtischer und fürstlicher Politik scheiterte Karls Plan.“ — Vgl. auch die ganz nach derselben
 Richtung zielende Darstellung bei Fr. Vigener, Kaiser Karl IV. (Meister der
Politik, 2. Aufl., 2. Bd., S. 34); gerade der Vergleich von Karl IV. mit Ludwig IV. zeigt,
daß zu den Zeiten Karls nur noch eine fürstlich eingestellte Politik realpolitisch möglich
war,
16a) Vgl. P. Werner, Stellung und Politik der preußischen Hansestädte, Diss. KönigsdJerg
 1915, S. 62—67.
17) W. Stein, Hans. Gblil. 1902, S. 133.
            
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