fullscreen: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

Kaiser Maximilian J.; Königtum und Reichsstände. 25 
Forderungen weiter. Und bedeutungsvoll war da für ihre 
Aussichten, daß sich ihnen die großen Städte seit den achtziger 
Jahren in Sachen der Reichspolitik immer mehr zu nähern 
begannen. Von der alten Gleichstellung der Territorien und 
Städte konnte jetzt freilich in vollem Ernste nicht mehr die Rede 
sein; es war klar, daß die Fürsten politisch gesiegt hatten. 
Aber eben diese Lage konnte sie veranlassen, die Städte an 
zweiter Stelle gelten zu lassen, und die Reichstagsverhandlungen 
der siebziger Jahre hatten sogar gezeigt, daß man diesen Platz 
den Städten bei ihrer finanziellen Bedeutung nicht vorenthalten 
konnte. Zudem ergab die Gründung des schwäbischen Bundes, 
in dem Städte und Fürsten zugleich vertreten waren, daß ein 
Zusammenwirken beider Stände zur Sicherung der Herzgebiete 
des Reiches wohl möglich sei: sollte dies Beispiel nicht auch 
auf die Verfassung des Gesamtreichs von Wirkung sein? 
Während dieser Verschiebungen der inneren Lage begann 
Kurfürst Berthold von Mainz, ein geborener Graf von Henneberg, 
sich auf viele Jahre zum Führer der Stände in der Richtung 
auf eine föderalistische Umbildung des Reiches emporzuarbeiten. 
Er legte im Jahre 1485 auf einem Reichstag zu Frankfurt 
einen Reformplan vor, der nach der Wahl König Maxens im 
Jahre 1486, als der Kaiser Mittel zum Kriege gegen die Türken 
forderte, von neuem eingebracht ward. Dieser Plan gipfelte 
in den Forderungen einer einheitlichen Münze, eines allgemeinen 
Landfriedens in modernen Formen, und eines obersten Reichs⸗ 
gerichts, dessen Rechtssprechung vor allem diesem Landfrieden 
dienen sollte. Kaiser Friedrich, damals noch Herrscher im Reich, 
verhielt sich alledem gegenüber ablehnend; sein ausschließliches 
Ideal blieb ein dürftiger Landfriede in den veralteten Formen 
des 14. Jahrhunderts. 
Allein die Fürsten hielten an ihrem Plane fest, und sie 
suchten gegen den Kaiser die Bundesgenossenschaft der Städte, 
indem sie eine vom Kaiser begehrte Türkenhilfe unter dem 
Vorwand versagten, es bedürfe zur endgültigen Beschlußnahme 
hierüber der Zustimmung der Städte. Die Städte, deren 
Politiker die Möglichkeit erkannten, bei dieser Gelegenheit neben
	        
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