Full text: Die politische Ökonomie des Rentners

10: Die Werttheorie (Fortsetzung) 
Und zwar: beträgt z. B. der Grenznutzen bei einer kombinierten 
Verwendung 100, „dagegen der Substitutionswert der drei Glie- 
der der Gruppe einzeln nur 20, 30, 40, zusammen also nur 90, 
so hängt von allen dreien zusammengenommen eben nicht die 
Erreichung des kombinierten Nutzens von 100..., sondern die 
des kleinen Nutzens von 90 ab*.‘“ Etwas derartig „Nebensäch- 
liches (das aber für die kapitalistische Wirtschaft geradezu „nor- 
mal‘ ist, wollen wir in Klammern hinzufügen) hat augenschein- 
lich für Böhm-Bawerk kein Interesse; er analysiert nur den 
„Hauptfall‘“, „in dem der in gemeinsamer Verwendung 
zu erzielende Grenznutzen zugleich der wahre wertgebende Grenz- 
nutzen ist** ““ 
Also der Wert der ganzen Gruppe wird als gegeben voraus- 
gesetzt. Es handelt sich nur darum, das Verhältnis zu bestim- 
men, in dem der allgemeine Wert auf die einzelnen Güter, die 
in der Gruppe enthalten sind, zu verteilen ist. Darin besteht das 
Problem der „ökonomischen Zurechnung“. Diese 
ökonomische Zurechnung ist nach der österreichischen 
Schule von jeder anderen zu unterscheiden: nämlich von der 
rechtlichen, moralischen und physischen Zurechnung. Die frühe- 
ren Theoretiker machten nach Wieser folgenden Fehler: „Sie 
wollen erfahren, welchen Anteil des gemeinsamen Produktes, 
physikalisch betrachtet, jeder Faktor hervorgebracht 
hat, oder von welchem Teile der Wirkung jeder dieph ysische 
Ursache sei. Das aber sei nicht zu erfahren*‘.“ Eine ähn- 
liche Stellung nimmt auch Böhm-Bawerk ein, der in dieser Frage 
mit Wieser völlig übereinstimmt“. Bei der Verteilung der 
Werte auf die verschiedenen Anteile der Gruppe entstehen ver- 
schiedene Kombinationen, die nach der Terminologie von Böhm 
von „der kasuistischen Besonderheit des Falles‘ abhängig sind. 
Wir wollen mit Böhm-Bawerk die drei Grundfälle untersuchen. 
Il. Die gegebenen Güter können nur beige- 
meinsamer Verwendung Nutzen bringen und 
2 1b. 8. 57. 
4 Ib: S:57. 
4 Wieser: „Der natürliche Wert“, S. 72, ferner auch Struve I. c., Bd. II, 
Moskau 1916 (russ.). 
45 Vgl. „Grundzüge“, S. 62, „Kapital und Kapitalzins‘“, Bd. II, 1. Teil, S. 28, 
Fußnote: „Der physikalische Anteil wäre meistens schlechterdings nicht zu 
berechnen ... ist aber auch ganz gleichgültig. Dagegen läßt sich meistens 
ganz gut feststellen, welchen Betrag von Nutzen oder von Wert man hätte 
entbehren müssen, wenn man einen bestimmten einzelnen Faktor nicht be- 
sessen hätte — und diese durch den Besitz oder das Dasein eines Faktors 
bedingte Quote nenne ich den wirtschaftlichen Anteil desselben am Gesamt- 
produkt.“ 
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