Contents: Deutschlands chemische Industrie

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in Deutschland im Jahre 1911 nur 75 000 Tonnen oder 
den dreissigsten Teil des in den geförderten Kohlen 
vorhandenen Stickstoffes. 
Noch 1874 waren die Gasanstalten genötigt, das 
ammoniakhaltige Gaswasser in Ermangelung guter Auf 
bereitungsverfahren fortlaufen zu lassen. Erst Ende der 
siebziger Jahre beginnt die Verwendung des schwefel- 
sauren Ammoniaks in der Landwirtschaft. Die Einfüh 
rung geschah nicht ohne Kampf, denn erst allmählich 
erkannte man, dass der Salpeter zwar den Vorteil einer 
schnellen Wirkung für sich in Anspruch nehmen konnte, 
da die meisten Pflanzen den Stickstoff nur in Form von 
Salpetersäure aufnehmen, dass aber gewisse Boden 
bakterien imstande sind, das Ammoniak allmählich zu 
Salpetersäure zu oxydieren, dass es daher zwar lang 
samer, aber nachhaltiger wirkt. 
Die Weltproduktion von schwefelsaurem Ammoniak 
ist denn auch in den letzten Jahrzehnten ausserordent 
lich gestiegen. 1890 betrug sie 210 000 Tonnen, 1900 
eine halbe Million und gegenwärtig beträgt sie 1,33 Mil 
lionen Tonnen. Hiervon wurden nach Angabe der Deut 
schen Ammoniak-Verkaufsvereinigung im Jahre 1912 in 
Deutschland 492 000 Tonnen, mehr als der dritte Teil 
der Weltproduktion, im Werte von 124 Millionen Mark 
verbraucht. Nimmt man im Chilesalpeter einen Stick 
stoffgehalt von 15% und im schwefelsauren Ammoniak 
einen solchen von 20,5% an, so überstieg im Jahre 
1911 zum erstenmal der von der deutschen Landwirt 
schaft verwendete heimische Ammoniakstickstoff mit 
75 000 Tonnen den ausländischen Salpeterstickstoff von 
70 400 Tonnen, zu dem allerdings noch geringe Mengen 
Ammoniakstickstoff vom Auslande bezogen wurden.
	        
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