Object: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

übertragen wird, wird gleichsam ein Experiment mit ikr 
angestellt, indem ihre Brauchbarkeit unter wechselnden 
Verhältnissen ausprobiert wird. Manche Seiten, seien es 
günstige, seien es ungünstige, die am Staate selbst sich 
länger der Aufmerksamkeit entziehen können. treten hier 
viel deutlicher hervor und erweisen ihre Vorteile und 
Nachteile viel rascher. Einsatz und Erfolg sind hier oft 
enger aneinander gekettet, als das bei der langsamer ar- 
beitenden Staatsmaschine der Fall ist, und so zeigt sich 
auch rascher, ob eine Einrichtung tauglich oder untauglich 
ist. Das Ungenügen einer Staatsform wird so an diesen 
ihren Auswirkungen bälder und lebhafter empfunden, als auf 
dem Gebiete der eigentlichen - Politik, wie auch die Vor- 
züge einer Staatsiorm sich unter Umständen besonders 
glänzend in diesen ihren Auswirkungen zeigen und sie sich 
an der belebenden Wirkung, die auf allen Gebieten von 
ihr ausgeht, besonders bewährt 
Es soll hier die Auswirkung des demokratischen Ge- 
dankens auf dem Gebiete der Wirtschaft betrachtet werden. 
Die veränderten Bedingungen, denen er hier unterliegt, 
müssen auch zu andern Folgen führen. Wie stark diese 
Auswirkung von allem Anfang an. gewesen ist, braucht 
nicht ausgeführt zu werden, ist es doch noch in unser 
aller Erinnerung, daß sich die demokratischen Forderungen 
der Revolution fast ebenso sehr an die Wirtschaft wie an 
den Staat richteten. . 
Die Einrichtungen der Wirtschaft greifen tiefer in 
das Leben des einzelnen ein, 
sie stehen dem einzelnen daher oft noch näher als die 
Einrichtungen des Staates, und die Sozialisierung der 
Wirtschaft war von vornherein eine der ersten Forderun- 
gen der Revolution. Und auch heute noch, wo die Demo- 
kratie im Staate verwirklicht ist, scheint sie vielen erst 
recht gesichert und vor allem für sie selber von Nutzen, 
wenn sie sich nun auch in der Wirtschaft durchsetzt. 
Wir werden die Bedeutung der Demokratie auf dem 
Gebiete der Wirtschaft nur recht würdigen können, wenn 
wir uns den eigentlichen Sinn des demokratischen Ge- 
dankens zuvor klar machen. Worin besteht das wahre 
Wesen der Demokratie? Gewiß ist dies nicht in dem 
Aeußerlichen der Staatsform zu finden, sondern in den 
inneren Voraussetzungen, die wie jede Lebens- 
form, so auch die des Staates bedingen, und die bis in die 
Tiefen der Weltanschauung hinabreichen. 
Aeußerlich liegt das Wesen der Demokratie darin, daß 
der staatliche Wille seine Richtung nicht von der Fnt- 
scheidung eines einzelnen Führenden, sondern von . den 
vielen Beteiligten erhält. Nicht ein. Wille soll hier die 
vielen Willen in die von ihm: gewählte Richtung hinein- 
ziehen, sondern die vielen Willen der Beteiligten sollen in 
einem mehr oder weniger künstlichen Zusammenwirken 
den einen, letzthin maßgebenden Willen des Staates her- 
vorbringen. Dem liegt aber ein allgemeinerer Ge- 
danke zugrunde. In das sachlich Notwendige können 
immer nur. wenige, ja bei verwickelten Verhältnissen 
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