196 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
den ernestinischen Fürsten Thüringens, Bayern, Spanien⸗
Burgund und Schweden abgeschlossen, dem bald auch noch
Kurpfalz, der oberrheinische Kreis und der Herzog von Holstein⸗
Gottorp beitraten: es war ein Verein fast aller zunächst von
Frankreich Bedrohten mit Ausnahme der geistlichen Kurfürsten
am Rhein, die Ludwig XIV. nach wie vor liebten und fürchteten:
er mußte die französische Aufmerksamkeit um so mehr auf sich
lenken, je mehr er durch das schon bestehende System der
brandenburgisch-niederländischen-schwedisch-österreichischen Ver—
träge in seiner Bedeutung verstärkt wurde.
Und bald sollte Frankreich seinen Nachbarn von neuem
Anlaß zu mehr als einer gerechten Klage geben. Da war
zunächst die pfälzische Frage. Im Jahre 1680 war Kurfürst
Karl Ludwig von der Pfalz aus der Simmerner Linie ge⸗—
storben, der Vater des unglücklichen geisteskranken Kurfürsten
Karl, der ihm nachfolgte, und der vortrefflichen Elisabeth
Charlotte, die dem Herzog von Orleans, einem Bruder König
Ludwigs XIV., verheiratet worden war. Als nun Karl im
Jahre 1685 frühen Todes starb, ohne Leibeserben zu hinter⸗
lassen, ging das protestantische Land an den uns schon als
Regenten von Jülich und Berg bekannten katholischen Neuburger
Pfalzgrafen Philipp Wilhelm über: eine Quelle unsäglicher
Wirrnisse in den folgenden Zeiten. Zugleich aber machte
Ludwig XIV. für seinen Bruder und dessen Gemahlin rechtlich
völlig unbegründete Ansprüche auf den Allodialbesitz des aus⸗
zgestorbenen Hauses Simmern geltend und hatte die Kühnheit
um diesen Besitz, die Fürstentüumer Lautern und Simmern, den
ofälzischen Teil der Grafschaft Sponheim und das Amt Germers⸗
heim, einen Prozeß bei Kaiser und Reich anhängig zu machen.
Wurde aber hier wenigstens äußerlich der Anschein Rechtens
gewahrt, so war das in einer zweiten Angelegenheit schon weit
weniger der Fall. Kurfürst Maximilian Heinrich von Köln,
der treue Gefolge des französischen Königs, begann zu kränkeln
und zu altern, und so mußte Vorsorge für einen französisch
gesinnten Nachfolger getroffen werden. Hierzu schien sich nun
niemand besser zu eignen als einer der uns schon genügend