Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

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Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. 
leitete. Diese Annäherung schloß dann mit der Erneuerung und 
Verlängerung des alten Buündnisses bis zum Jahre 1700 ab, 
kurz vor dem Erlasse des Ediktes von Nantes, am 23. August 
1685. Das Edikt von Nantes aber hat den inneren Bruch 
‚zwischen Brandenburg und Frankreich, den man in Versailles 
schon längst zu fühlen begann, um ein beträchtliches erweitert: 
mit welchem Eifer hat nicht gerade der Große Kurfürst Refugiés 
eingeladen und aufgenommen — Hochverräter in den Augen 
Ludwigs XIV. Am 20. Februar 1686 folgte dem nieder⸗ 
ländischen Bündnisse ein solches mit Schweden; es wurde dem 
alten Herrscher nicht leicht, denn es bedeutete den Verzicht 
auf eine seiner Lebenshoffnungen, auf Pommern. Noch 
schwieriger aber gestaltete sich der Ausbau eines Bündnisses 
mit dem Kaiser, obwohl er an sich das natürliche und not— 
wendige Endziel der ganzen vorgenommenen Schwenkung war. 
Was hier einem raschen Abschlusse entgegentrat, war im Grunde 
schon ein Teil der schlesischen Frage der Zukunft. Das Haus 
Brandenburg hatte Ansprüche auf Jägerndorf sowie, nach 
Meinung des Großen Kurfürsten, auch auf die 1675 ledig 
gewordenen schlesischen Herzogtümer Liegnitz, Brieg und Wohlau. 
Diese aber hatte der Kaiser besetzt. Wie sollte hier ein Aus— 
gleich gefunden werden? Der Kurfürst rang sich am Ende 
den schweren Entschluß ab, auf sein Recht, wie er es verstand, 
zu verzichten, falls der Kaiser ihm den Kreis Schwiebus, einen 
kleinen, zu Glogau gehörigen niederschlesischen Landzipfel, ab— 
trete. Aber hierzu war die Zustimmung des Kaisers nicht zu 
erlangen: in hartnäckiger Grundsätzlichkeit wollte er nichts von 
seinem Besitze verlieren. Die österreichische Diplomatie fand 
schließlich ein wunderliches Mittel der Aushilfe. Man wußte, 
daß der brandenburgische Kurprinz Friedrich, seit manchem 
Jahr in Gegensätzen zu seinem Vater, das Bündnis mit 
Osterreich als unbedingt notwendig betrachtete und wohl auch 
ohne Empfang von Schwiebus zu bewilligen geneigt sei. Man 
war auch darüber unterrichtet, daß der Kurprinz, in schlechten 
wirtschaftlichen Verhältnissen, eine Geldunterstützung angenehm 
empfinden würde. Und so entschloß man sich zu einem nicht
	        
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