thumbs: Der Weg der Reparation

Verfasser des Vertrages zurück, Der Fehler lag im System, das 
von einer bureaukratischen Organisation die Durchführung einer 
Aufgabe erwartete, die nur in praktischer Einzelarbeit gelöst 
werden konnte, 
Ganz weltfremd aber war die Idee, Lieferungen vorzuschreiben, 
ohne vorher den Preis dafür festzusetzen. Es war klar, daß die 
Reparationskommission die Lieferungen möglichst billig be- 
kommen wollte. Die deutsche Regierung aber hatte ein verständ- 
liches Interesse daran, eine möglichst hohe Gutschrift auf 
Reparationskonto zu erlangen. Da sie aber verpflichtet war, die 
deutschen Lieferanten zu entschädigen, so suchte sie die Ver- 
gütung an die Lieferanten niedrig zu halten. Das ergab einen 
Widerstreit der Interessen auf der ganzen Linie, Die Schwierig- 
keiten wurden dadurch erhöht, daß die deutsche Regierung aus 
sozialen Gründen versuchte, die Lieferungen auf die gesamte 
deutsche Industrie gleichmäßig zu verteilen. Auch dabei konnte 
der bureaukratische Geist Orgien feiern, 
Ueber die Festsetzung der Preise ist lange Zeit zwischen der 
Reparationskommission und der deutschen Regierung ein zäher 
Streit geführt worden, Es kam nicht nur die Höhe des Preises 
selbst in Betracht, sondern auch die Frage, in welcher Währung 
der Preis festzusetzen sei: ob in deutscher Währung oder in der 
Währung des Empfangslandes oder endlich in Gold. Um von 
diesem Streite die Lieferungen nicht aufhalten zu lassen, entschied 
die Reparationskommission, daß die Lieferungen grundsätzlich 
auch dann zu erfolgen hätten, wenn der Preis noch nicht fest- 
gesetzt sei, Das goß natürlich nur Oel ins Feuer, 
Die deutsche Regierung verlangte zunächst Goldpreise, die 
einen sicheren Anhalt für die Kalkulation der Lieferungen zu 
gewähren schienen, Aber auch das war nur so lange im deutschen 
Interesse, als die Bewegung der deutschen Papiermark nach 
unten ging. Im Frühjahr 1920 stieg der Markkurs eine Zeitlang 
erheblich, Das erschwerte der deutschen Industrie die Arbeit 
mit Goldpreisen, ließ es vielmehr erwünscht erscheinen, die 
Preise in Papiermark festzusetzen. Endlich erkannte man auf 
beiden Seiten, daß es nötig sei, den Preis in irgendeiner be- 
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